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Die deutsche Sprache ist voller kleiner Wunder. Zwei Beispiele fallen mir jetzt ein:
1. Das Alltagswort "Höflichkeit". Jeder kann das Wort verwenden, jeder kann es sein. Niemand gehört mehr zum Hofe, aber jeder kann sich so betragen, als gehörte er dazu. Indem er höflich ist, läßt er den Hof auch ein bißchen wiedererstehen. (Natürlich hängt das Wort mit "Courtoisie" zusammen, und ist vielleicht sogar davon abgeleitet - aber wir wollen hier ja kein etymologisches Wörterbuch schreiben.)
2. "vertragen". Für mich als streitsüchtiger Mensch eines meiner Lieblingswörter. "Wir haben uns verzankt, und nun wollen wir uns wieder vertragen." Wir wollen aufs neue einen Vertrag miteinander schließen, wir wollen wieder eine Schwurgemeinschaft sein und wollen immer zusammenhalten. Zumindest solange, bis wir uns wieder verzanken... "Verbünden" gehört sicher auch in diesen Kontext, ist aber schwächer, weil "Bund" eine religiöse Konnotation hat. Ein "Vertrag" ist weltlich, menschlich, und gerade daher ist "vertragen" ein so hübsches Wort. Edit: Thread umbenannt. Von Harki am Di, 29.12.2009, 17:58, bearbeitet, (1x) |
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Ein anderes wunderbares Wort ist Magazin; vor allem wegen dessen Mehrdeutigkeit: Lager in einem Geschäft, Geschäft allgemein, Gehäuse für Munition, Zeitschrift oder Fernsehsendung.
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Ja, absolut richtig, danke für den Hinweis.
Das ist mir auch oft so halbbewußt aufgefallen, ohne daß ich nun intensiver darüber nachgedacht hätte.
Mein Taschenbuch-Meyers von 1992 erklärt das so:
Zitat:
Magazin [arab.-italien.] Vorratshaus: Lagerraum [für Bücher]; Laden.
- Bez. und Titel[bestandtteil] period. Zeitschriften (erstmals 1731 in Großbritannien) heute auch von Hörfunk- und Fernsehsendungen; insbes. Bez. für anspruchslosere, [...] [...] - Patronenkammer in Mehrladegewehren, Maschinenwaffen und Pistolen Bd 13, S. 274. Sie führen also gar nicht die ganze Bandbreite des Wortes auf, stellen aber klar, daß es arabisch-italienischen Ursprungs sei, interessant. Mediterran also... Wie z.B. auch "Razzia". Das kommt ursprünglich von einem arabischen Wort, das Überfall/"Raid" bedeuten soll. Im Nordkaukasus sagte man im 19. Jh. und z.T. noch heute "Gasawat", wenn man "Dschihad" meinte - das ist das gleiche Wort, von dem unser "Razzia" abstammt. |
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Ich war heute auf der Suche nach einem Verb, von dem ich glaubte, es hier auf k2 gelesen zu haben: präjudizieren. Na gut, meine ersten Versuche mit "präjudistieren" und "präjustieren" zeitigten auch bei Google anfangs keine Erfolge.
Ich bin mir jetzt etwas unsicher bezüglich der Nutzung. Ich will es in dem Sinne verwenden, dass mit einer Maßnahme ein bestimmter (grundlegender) Zweck beabsichtigt wird. Also: "Mit dem Bundeswehr-Einsatz im Kongo präjudiziert die Bundesregierung den Schutz der örtlichen Wahlen." => Hier fehlt dann aber wohl das wichtige vorwegnehmen einer anderen durch den Bundeswehr-Einsatz induzierten Entscheidung, um präjudizieren zu verwenden. Richtigere Anwendung des Verbs wäre vielleicht: "Mit dem Bundeswehr-Einsatz im Kongo präjudiziert die Bundesregierung keine Veränderungen in ihrer Afrika-Politik." |
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Ja, ich habe das irgendwo verwendet, ich weiß. Ist mir auch ein bißchen peinlich, weil es (zumindest in der von mir verwendeten Form) Bla-Bläh-Jargon ist.
Es heißt "eine richterliche Entscheidung vorwegnehmen / ihr vorgreifen". Sich also in einer Sache eine Kompetenz anmaßen, die man gar nicht hat.
x² hat geschrieben:
Richtigere Anwendung des Verbs wäre vielleicht: "Mit dem Bundeswehr-Einsatz im Kongo präjudiziert die Bundesregierung keine Veränderungen in ihrer Afrika-Politik." Nicht ganz, glaube ich, weil diese Änderung ihrer Afrika-Politik ja durchaus in die Kompetenz der Bundesregierung fiele. Oder doch? Bin mir nicht sicher. Richtig wäre: "Die Verteidigungsministerin Hölzchen-Stäblein präjudiziert mit ihrer Entscheidung, alle Bundeswehroffiziere vom Major aufwärts künftig Afrikaans lernen zu lassen, eine Richtungsänderung der Afrika-Politik der Bundesregierung." Aber nochmals: Es ist keine tolles Wort. Eine Phrase halt, die was hermachen soll. Und das ist nie gut - außerdem kann man dabei auch noch sehr leicht über die eigenen Füße stolpern. |
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Danke für deinen Kommentar. Da das Verb "präjudizieren" bisher nicht zu meinem Wortschatz gehörte, werde ich auch zukünftig erstmal auf die Anwendung verzichten und es durch andere Verben substituieren.
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x² hat geschrieben:
Danke für deinen Kommentar. Da das Verb "präjudizieren" bisher nicht zu meinem Wortschatz gehörte, werde ich auch zukünftig erstmal auf die Anwendung verzichten und es durch andere Verben substituieren. ![]()
Ohne Zweifel eine nachhaltige Strategie. Es scheint in der Majorität der Handlungsoptionen ein größeres Win-Win-Potential zu haben, diffizilere Termini zu meiden, ubiquitärere aber bevorzugt zu utilisieren.
"Wenn man einen Ochsen schlachten will, schlägt man ihm gerade vor den Kopf." (Luther) |
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Mein Lieblingsspruch zu diesem Thema ist von Schopenhauer:
"Man brauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge." Das habe ich mal mit dem Zusatz "Und nicht umgekehrt." einer Historikerin an den Rand eines Typoskripts geschrieben, das ich zu lektorieren hatte. Der Anlaß war ein Satz, in dem von "Opazitätszonen der sowjetischen Gesellschaft" die Rede war. |
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Zitat:
Keine blassen Pfannkuchen
Das alles geschieht in einem Maße, daß Glasfenster, Bischofsgräber und das beeindruckende Kirchenschiff des Doms sich auf dem Foto manchmal noch ausgeglichener als ursprünglich auf der Netzhaut zeigen. Hier scheint Software dunkle Partien nachzubelichten, während die hellsten Ausschnitte sanft abgenegert werden. Die Farben bleiben dabei in erstaunlicher Weise erhalten und zeigen sich kräftig, aber noch natürlich. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 13.08.2006, Nr. 32 / Seite V12 Ein Fachbegriff aus der Fotografie:
Zitat:
Der Begriff "Neger" in der Fotografie und auch im Film hat keinerlei Bezug auf Hautfarbe oder Herkunft von Menschen, sondern bezeichnet eine spezielle Methode der Verdunklung von Objektiven, um Reflektionen zu vermeiden. Das ist nur gerecht, immerhin gibt es auch den Weißabgleich. |
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Harki hat geschrieben:
Mein Lieblingsspruch zu diesem Thema ist von Schopenhauer:
"Man brauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge." Franz Kafka hat sich daran gehalten! Ein Waldbaum kommt selten allein. |
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Fortsetzung nach längerer Zeit:
- herumlungern. Wunderbares Verb, viel schöner als "herumhängen". Es bedeutet etwas ähnliches, hat aber so einen hübsch bösartigen Unterton von "lauern", aber eben von "schläfrig lauern". - dölmern. Mal ein herrliches plattdeutsches/norddeutsches Wort, für das es meines Erachtens im Hochdeutschen kein Gegenstück gibt. Es bedeutet: nicht zielgerichtet, vor sich hin träumend durch die Gegend gehen; schlafwandlerisch gehen. Es ist nicht "taumeln" oder "torkeln", man muß dazu nicht betrunken sein, man bewegt sich dabei auch meistens nicht in Schlangenlinien. Es ist aber auch nicht "schlurfen" oder "latschen"; es kommt nicht auf die Körperhaltung, sondern auf den Geisteszustand an. Es bedeutet einfach: geistesabwesend gehen (und dabei potentiell seinen Mitmenschen, namentlich anderen Verkehrsteilnehmern, in den Weg geraten). "Der dölmerte da so dösig über die Straße, daß ich einfach nichts mehr machen konnte." Von Harki am Fr, 19.1.2007, 4:05, bearbeitet, (4x) |
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Ein ganz wunderbares Wort unserer Sprache: "Geschenk"
Es bezeichnet etwas Sinnloses, aber doch eminent Wichtiges, fast eine Grundlage allen Zusammenlebens. Etwas, das mal selbstverständlich und doch immer und immer wieder heilig ist. Seit den allerältesten Tagen. Tiere können möglicherweise sprechen, aber eben nicht schenken. Ein Geschenk ist einer der ganz wenigen Riten, die jeden mitreißen und hinanziehen, und das allezeit. Und wie macht unser liebes Deutsch das? "Geschenk". Zwei ruppige Konsonanten - g und k. Dazwischen das zischende sch. Aufgefüllt wird das mit einem Schwa-Laut und einem dumpfen e. Und erst der Plural! Es wird einfach noch ein Schwa-Laut angehängt! Aber wer könnte sich etwas Schöneres vorstellen als diesen Satz: "Ich habe so viele schöne Geschenke bekommen!" recht harter Konsonant - schwa - harter Konsonant - offenes e - schwa Dazu die altväterliche Konstruktion mit dem ge- und dem Verbstamm. Ein Substantiv, bei dem sofort die Handlung, also das eigentlich Wichtige, das Verb, durchscheint. Ein schönes Wort. |
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Ich hab zwar mit Sprachwissenschaft nicht so viel am Hut, aber auch zwei Worte:
Herrlich und dämlich ;-) |
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Ich habe das gerade mal in meinem kleinen Herkunftswörterbuch (Mackensen) nachgeschlagen. "Dämlich" kommt nicht von "Dame".
Zitat:
Adj. Mitte 18. Jh. zum Zw. dam(m)eln Urverw.: lat. temulentus trunken? Dazu bayr. damisch Adj. (Da steht wirklich "bayr.", nicht "bair.", bevor jemand mit unterstellt, das eingebaut zu haben) |
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