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Ein unerfreuliches Thema, aber ein erfreulicher Anlaß. In einem FAZ-Kommentar von morgen, verfaßt von Wolfgang-Günter Lerch findet sich dieser Satz:
Zitat:
Arafat sei einer der korruptesten Palästinenserführer gewesen, der auch mit dem Feind kollaboriert habe, heißt es im Selbstbezichtigungs-Schreiben. Zugegeben: "Selbstbezichtigungs-Schreiben" ist sehr lang. Aber es vermeidet - natürlich bewußt - die Scheußlichkeit des allgegenwärtigen "Bekennerschreibens". Durch die Verwendung des Wortes "Bekennerschreiben" stilisiert man Mörder und Schwerstkriminelle, die aus dem Verborgenen Briefe schmieren, in denen sie sich ihrer abscheulichen Taten rühmen, zu Bekennern - fast schon zu Märtyrern also. Von Harki am Mi, 7.9.2005, 23:24, bearbeitet, (1x) |
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Ein sehr schöner Kommentar in der FAZ von morgen. Das Überhandnehmen von mathematischen und naturwissenschaftlichen Bildern in der Politikersprache ist in der Tat auffällig und ärgerlich - und der allgegenwärtige "Quantensprung" ist ein ganz besonders gruseliges Beispiel für das Phänomen.
Man könnte noch den "gemeinsamen Nenner" erwähnen, den es zu finden gelte, oder die Aufmerksamkeit, die sich (hoffentlich) "fokussiere". Wenn man diese Floskeln mal verwendet, ist das sicher nicht schlimm, aber in der Häufung nerven sie ganz erheblich.
Zitat:
09. Oktober 2005 wgl. Seit einiger Zeit fällt auf, daß jene, die öffentlich zu sprechen haben, auf eine neue Weise mehr scheinen wollen, als sie sind. Nicht mehr die alten Griechen und Römer, die weitgehend in Vergessenheit geraten sind und ausgedient haben, zitiert man, sondern man gibt sich naturwissenschaftlich gebildet. Das begann vor Jahren schon mit dem "Quantensprung" in dieser oder jener Entwicklung, der eigentlich nur ein Schritt nach vorne, vielleicht ein großer war. Aber die normale, übliche Benennung der Dinge genügte nicht mehr; sie machte nichts mehr her. Seit dem 18. September ist sogar die Mathematik in die Politikersprache vorgedrungen, obschon sich die meisten Politiker (wie Bürger) mit diesem Fach schwergetan haben. Wo man früher in Koalitionsgesprächen schlichte Gemeinsamkeiten suchte, müssen es nun "Schnittmengen" sein. Georg Cantor, der sich mit den Paradoxien des Unendlichen herumschlug, hätte sich wahrscheinlich sehr gewundert, wenn er gewußt hätte, daß seine Mengenlehre einmal eine ganze Generation von Schülern quälen würde; und daß die Politiker (und andere) ausgerechnet seine Begrifflichkeit verwenden würden, um damit öffentlich Eindruck zu machen.
Text: F.A.Z., 10.10.2005, Nr. 235 / Seite 12 |
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Hatte ich mich hier eigentlich schonmal über das Wort "Abzocke"/"abzocken" aufgeregt? Ich glaube nicht...
Nun aber: Meiner Ansicht nach ist das eine abscheulichsten und widerlichsten Gossenvokabeln, die in den letzten Jahren in den festen Wortschatz der Presseschmierer eingewandert sind. (Es ist nicht die einzige). Das Wort dürfte wohl - es wäre mir geradezu peinlich, das nachzuschlagen - aus der maßgeblich vom Jiddischen beeinflußten Gaunersprache, aus dem Rottwelschen also, stammen. Zum Kotzen. "EU gegen Handy-Abzocke" - So hat gerade die Heute-Sendung eine kurze Meldung beginnen lassen. (Übrigens ist natürlich schon der Schlagzeilen-Stil in gesprochenen Nachrichten peinlich.) Besonders entsetzlich ist bei diesem Wort auch der Beiklang von "Die da oben wollen uns armen ehrlichen Leuten wieder einmal etwas wegnehmen." |
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