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Die Kritik der Neuen Rechten an den Zuständen, so berechtigt sie im einzelnen sein mag, entwirklicht sich selbst, weil ihr ein falsches soziales Ideal zugrundeliegt. Was die Neue Rechte unter Beschuß nimmt, ist der stets sich vergrößernde Abstand, der die Wirklichkeit der Bundesrepublik von der Norm des bürgerlichen Nationalstaates trennt.
Gegenüber den tiefgreifenden und drängenden Problemen des Globalisierungszeitalters beschwört sie die Formeln des Nationalismus des 19. Jahrhunderts. Dabei liegen die realen Probleme dieses Landes und seiner Menschen in der Entfernung beschlossen, die die Bundesrepublik mittlerweile von sich selbst trennt. "The future`s so bright, I gotta wear shades" Von Coriolan am Sa, 3.7.2010, 2:05, bearbeitet, (1x) |
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Anders gesagt: Der heute existierenden, zunehmend mit sich zerfallenden Gesellschaft ein nationales Revival als Lösung ihrer Probleme zu empfehlen, ist etwa so, als würde man einem alten und siechen Menschen nahelegen, wieder jung zu werden.
Andererseits erfüllt der staatlich gesponserte Kampf gegen die armselige Nachhut des Nationalsozialismus vor allem den Zweck, gutgläubige Menschen blind zu machen für die Tendenzen, die tatsächlich ihre Freiheit und ihr Wohlergehen bedrohen; die bei einer weiteren Zuspitzung der Krise leicht Krieg und Genozid im Gefolge haben könnten; und die alle gemeinsam haben, daß sie unter anderen, teilweise entgegengesetzten ideologischen und politischen Vorzeichen operieren, als die historischen Formen des Faschismus. Auf die verschiedenen Formen politischer Pathologie, die in der Welt grassieren, braucht zunächst gar nicht eingegangen zu werden. Es genügt der Hinweis, daß das Wirtschaftssystem, unter dem wir leben, im Weltmaßstab Hunderte von Millionen Menschen als überflüssig ausspeit und ihrem Schicksal überläßt.
Zitat:
Es ist mit anderen Worten durchaus denkbar, dass zukünftige faschistische Entwicklungen, für die man vielleicht gar nicht so weit in die Zukunft gehen muss, ohne die charakterologischen Besonderheiten des deutschen Faschismus, wenn auch nicht ohne seine strukturellen Prinzipien auskommen werden. (aus: Ulrich Enderwitz; Quo Vadis, Ca-Ira ?, Freiburg 2001) "The future`s so bright, I gotta wear shades" Von Coriolan am Sa, 3.7.2010, 14:45, bearbeitet, (3x) |
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Coriolan hat geschrieben:
Dabei liegen die realen Probleme dieses Landes und seiner Menschen in der Entfernung beschlossen, die die Bundesrepublik mittlerweile von sich selbst trennt. Das "Zurück zur alten Bundesrepublik", was ich aus diesen Zeilen lesen, ist aber auch nicht unbedingt realistischer, als der Nationalstaat des 19. Jahrhunderts, für beides fehlt die Grundlage. Für den neuen Libanon, auf den wir vermutlich zusteuern (es stellt sich nur die Frage ob vor oder nach der palästinensischen Insurrektion), eignet sich weder das eine noch das andere Ordnungsmodell. Lady Basildon: Ah! I hate being educated! Mrs. Marchmont: So do I. It puts one almost on a level with the commercial classes, doesn't it? -- ![]() |
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Ich vermute auch, daß die Umwälzungen der letzten Jahre irreversibel sind.
Aber wir sind als Nation in dem Maße prekär geworden, wie die bindenden Kräfte des alt-bundesrepublikanischen Modells erloschen sind. Der gute Geist, der Staat und Gesellschaft der alten BRD beseelte, ist entwichen, die Institutionen bestehen aus Gründen gerade noch konvenierender Pragmatik fort. Die politische Klasse trägt die Schuld, den Reichtum dieses Landes den Globalisierern zur Plünderung freigegeben zu haben. Globalisierung = Diebstahl nationaler Ressourcen, und zwar der Ressourcen jeder Nation, einschließlich der amerikanischen. "The future`s so bright, I gotta wear shades" Von Coriolan am Mo, 5.7.2010, 15:28, bearbeitet, (1x) |
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Zitat:
Das "Zurück zur alten Bundesrepublik", was ich aus diesen Zeilen lesen, ist aber auch nicht unbedingt realistischer, als der Nationalstaat des 19. Jahrhunderts, für beides fehlt die Grundlage. Wenn man das unterschiedliche Ausmaß betrachtet, in welchem die verschiedenen Länder von der Krise (die mehr ist, als eine Wirtschafts- oder Finanzkrise) betroffen sind, dann müßte das strategische Minimalziel bundesdeutscher Politik darin bestehen, übrigzubleiben; und wenn ich "übrigzubleiben" sage, meine ich nicht, daß in 20 oder 30 Jahren eine Entität existiert, die, ungeachtet ihrer Beschaffenheit, den Namen "Bundesrepublik Deutschland" trägt. Generell neige ich der Ansicht zu, daß ein Fortbestehen des globalen status quo, wie er sich in den 90er Jahren herauskristallisierte, schlimmer wäre, als es der gegenwärtige, krisenhafte Zustand ist; denn dieser status quo war, sozusagen, die Krise in Permanenz, und, kulturell betrachtet, die Gefangenschaft in einer Diesseitigkeit, die weder in zeitlicher noch in räumlicher Hinsicht ein Jenseits hat.* Die Krise birgt wenigstens die Hoffnung auf Veränderung, wohingegen die Jahre der Globalisierung dem zivilisatorischen Endzustand des griechisch-römischen Altertums bedrückend ähnlich sahen: kein Draußen mehr, und eine Menschheit, die in Ermangelung wirklicher Alternativen ebenso narzisstisch wie hypochondrisch um sich selbst kreiste. Wie gut, daß das von Fukuyama prognostizierte "Ende der Geschichte", die Totalherrschaft des "letzten Menschen", nach ziemlich genau 2 Jahrzehnten an ihr Ende gelangt ist. *Ich denke, es war kein Zufall, daß der Beginn der jüngsten Globalisierungswelle in den 90er Jahren auf popkultureller Ebene mit einer wahren Explosion des Irrationalismus zusammenfiel. edit: Neben der Hochkonjunktur von Mystery- und Verschwörungs-TV-Shows à la X-files (die den Nebeneffekt hatten, Personen, die auf den Spuren realer Verschwörungen waren, wie Idioten aussehen zu lassen) denke ich insbesondere an den weltweiten hysterischen Krampf, den das Ableben der eßgestörten Gattin von Chuck Windsor im Gefolge hatte, oder an das Geraune über den bevorstehenden Jahrtausendwechsel, die Millenniumshysterie. Aber auch die Schwarte des Politologen Goldhagen gehört in diesen Zusammenhang: In polit-ökonomisch aufgeklärten Zeiten würde man dem Goldhagen sein dämonologisches Geschreibsel um die Ohren gehauen haben. "The future`s so bright, I gotta wear shades" Von Coriolan am Di, 6.7.2010, 1:04, bearbeitet, (7x) |
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Coriolan hat geschrieben:
wohingegen die Jahre der Globalisierung dem zivilisatorischen Endzustand des griechisch-römischen Altertums bedrückend ähnlich sahen: kein Draußen mehr, und eine Menschheit, die in Ermangelung wirklicher Alternativen ebenso narzisstisch wie hypochondrisch um sich selbst kreiste. Wie gut, daß das von Fukuyama prognostizierte "Ende der Geschichte", die Totalherrschaft des "letzten Menschen", nach ziemlich genau 2 Jahrzehnten an ihr Ende gelangt ist. Aber ist der Zustand denn heute wirklich anders? Grade die Herrschaft des "letzten Menschen" scheint doch ungebrochen. Sicher gibt es hier und da Gegentendenzen, aber letztlich verfestigt sich der status quo doch immer mehr. Zugegeben: In Asien mag 'machtpolitisch' einiges in Bewegung sein. Aber Russland hat, selbst wenn man gewisse Sympathien hegt, auf die Dauer wohl keine großen Aufstiegschancen und Afrika spielt keine selbständige Rolle (wie auch der Orient). So fragil das ganze Gebilde manchmal wirkt, ich denke, es ist doch stabiler als es scheint. Wir werden weder in D einen Bürgerkrieg bekommen, noch großartige Umwälzungen auf internationaler Ebene. Ich glaube eher, dass die müden, übersättigten Gesellschaften ganz langsam absacken, während die anderen davon ein bisschen profitieren. Diese Entwicklung gibt es auch innerhalb einer Gesellschaft. Aber die bessergestellten Gruppen/Gesellschaften verfügen in der Regel über Instrumentarien ihren status quo zu verteidigen und im übrigen muss die Entwicklung nicht immer in die eine Richtung gehen. |
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Zitat:
Der heute existierenden, zunehmend mit sich zerfallenden Gesellschaft ein nationales Revival als Lösung ihrer Probleme zu empfehlen
Zitat:
Aber wir sind als Nation in dem Maße prekär geworden, wie die bindenden Kräfte des alt-bundesrepublikanischen Modells erloschen sind. Also: Andersrum wird ein Schuh draus. Dem realen Auseinanderdriften der Gesellschaft müßte gegengesteuert werden, dann würden die bewußtseinsmäßigen Folgen sich von selbst einstellen. Die Überzeugung, daß ein bloßer Sinneswandel in Richtung einer "selbstbewußten Nation" die Zerfallstendenzen der Gesellschaft bremsen könne, erscheint mir illusorisch. Beweis: Die USA, deren Gesellschaft an allen möglichen Übeln krankt - ein Mangel an Patriotismus gehört schwerlich dazu. In den USA, so scheint mir, ist Patriotismus in seiner landläufigen Form wirklich das, wofür die Ideologiekritiker ihn schon immer gehalten haben: Zumindest läßt er die Menschen über unhaltbare Zustände eher hinwegsehen, als daß er - wie es sein sollte - sie die Zerrissenheit der Gesellschaft schmerzlicher empfinden ließe. Ehe man den Leuten suggeriert, stolz zu sein auf ihr Land (und beleidigt reagiert, wenn sie`s nicht tun), sollte man Verhältnisse schaffen, die solchen Stolz rechtfertigen. Alles andere liefe darauf hinaus, positives Denken zu dekretieren, in der Hoffnung, daß die Wirklichkeit sich dem Bewußtsein eines Tages anpassen werde. "The future`s so bright, I gotta wear shades" Von Coriolan am Mo, 19.7.2010, 3:06, bearbeitet, (6x) |
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Coriolan hat geschrieben:
Ehe man den Leuten suggeriert, stolz zu sein auf ihr Land (und beleidigt reagiert, wenn sie`s nicht tun), sollte man Verhältnisse schaffen, die solchen Stolz rechtfertigen. Alles andere liefe darauf hinaus, positives Denken zu dekretieren, in der Hoffnung, daß die Wirklichkeit sich dem Bewußtsein eines Tages anpassen werde. Stimmt schon irgendwie, aber Nationalstolz bezieht sich ja nicht nur auf hier und heute. Es ist eine Wechselwirkung: Nur wem etwas am eigenen Land liegt, setzt sich für bessere Verhältnisse ein. |
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Nur wem etwas am eigenen Land liegt, setzt sich für bessere Verhältnisse ein. Post festum erweisen sich oft diejenigen als die besseren Patrioten, die man zeit ihres Wirkens für Vaterlandsverräter gehalten hat. Ich sage nur: Egon Bahr, der frühzeitig etwas begriffen hatte, das in christdemokratische Köpfe nicht hineinzubekommen war.
Henry Kissinger, bei einem Telefongespräch, über Egon Bahr (ca. 1971): "Ein aalglatter Bursche, ein Reptil, ein Scheißkerl...ein Nationalist, der die Großmächte gegeneinander auszuspielen versucht" Was Egon Bahr übrigens nicht davon abhielt, Kissinger gegen die Vorwürfe von Christopher Hitchens in Schutz zu nehmen. "The future`s so bright, I gotta wear shades" Von Coriolan am Sa, 31.7.2010, 18:40, bearbeitet, (2x) |
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