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Beim Lesen von Zeitungen fällt mir neuerdings auf, dass Journalisten von sich oft im Plural sprechen. Augenscheinlich handelt es sich hierbei um den Pluralis modestatis. Eine Google-Suche über ihn fördert u.a. zwei Einträge zutage:
Zitat:
Pluralis majestatis (lat.), die Redeweise, wonach ein Hochgestellter von sich in der Mehrzahl redet (z. B. Wir, König von etc.), zu unterscheiden von dem sogen. Pluralis modestatis ("Bescheidenheitsplural"), den z. B. der Autor eines Buches gebraucht. Meyers Konversationslexikon sowie als Empfehlung für Hausarbeiten:
Zitat:
"Ich" oder "Wir"?:
Der pluralis modestatis der ersten Person (wir, uns, unser) vermeidet das auktoriale Ich, genauso das Passiv ("Es wird darauf hingewiesen...") oder der Konjunktiv ("Es sei noch erwähnt..."). Wenn der Autor sich selbst meint, kann er nicht sagen: "Wir machten folgendes Experiment...", wohl aber kann er sagen: "Wie wir im 3. Kapitel sahen...", wenn damit ausdrücklich 'der Leser und ich' gemeint sind. Welche Form letztlich gewählt wird, bleibt dem Autor überlassen. http://www.kirstin-zeyer.de/wissarbeiten1.htm Bisher kannte ich nur den Pluralis majestatis und irgendwie stutze ich beim Lesen immer noch. Wenn man jedoch (oder besser: Wenn wir jedoch) die reine Wortbedeutung des Pluralis modestatis anschaut, dann ist der "Bescheidenheitsplural" gar nicht so schlecht. Der Autor tritt hinter dem Gesagten zurück. Was haltet ihr davon? Habt ihr diese Art des Plurals schonmal verwendet? |
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Ich finde die "Wir"-Form völlig unangemessen. Es klingt, als würde der Autor eine Fraternisierung mit den Lesern implizieren. Gleichzeitig schwingt der oberlehrerhafte Ton mit à la "wie wir alle wissen", gerade wenn es um allgemein zu akzeptierende Zeitgeistthemen geht (Klimawandel, Rechtsradikalismus etc.)
Für meinen Teil halte ich es in wissenschaftlichen Arbeiten mit dem unpersönlichen "man": "Wie man sieht" etc. Gut, naturwissenschaftliche Themen sind oft trocken, daher freue ich mich immer diebisch, Passagen wie folgende einzubauen ( ):
Zitat:
Die Mittel sollten daher nicht zum Zweck werden, sonst ergeht es einem Projekt wie dem „sinnreichen Junker“ Don Quijote de la Mancha, der sich im Kampf gegen Windmühlen völlig verausgabte [Cerv]. Richtig eingesetzt wurden im Rahmen der Implementierung jedoch sehr gute Erfahrungen [...] gemacht. Selbstverständlich auch hier in der völlig neutral-sachlichen 3. Person. Was mir gefällt, was aber gleichzeitig eine starke Abwägungssache ist, ist die Ich-Form bei manchen Autoren. Besonders schätze ich Papst Benedikt XVI., einer der besten deutschsprachigen Autoren unserer Zeit. In seiner "Einführung in das Christentum" ist mir folgender, wunderschöne Satz besonders aufgefallen:
Zitat:
Mir will scheinen, dass ... Er schreibt oft in der Ich-Form, was bei ihm (auch dank seiner Sprachgewandtheit) immer sehr sympathisch und authentisch rüberkommt, ohne jemals belehrend zu wirken. |
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Ja, ich verwende das ab und zu, auch hier schon ein paarmal - aus den im zweiten Zitat von Möchtegern angeführten Gründen... Ich kenne das als "nous de modestie".
Problem: Es wirkt ein bißchen manieriert, an der Grenze zum Marottenhaften - und wird heute oft nicht gar nicht mehr verstanden. Edit:
Zitat:
Es klingt, als würde der Autor eine Fraternisierung mit den Lesern implizieren. Gleichzeitig schwingt der oberlehrerhafte Ton mit à la "wie wir alle wissen", gerade wenn es um allgemein zu akzeptierende Zeitgeistthemen geht (Klimawandel, Rechtsradikalismus etc.) Ja, das ist die Hauptgefahr. Das kann man aber umgehen, indem man klarmacht, daß es eben nicht um Vereinnahmung des Lesers, sonderm um Rücknahme des eigenen Egos geht. "Wir blieben aber [im anzunehmenden Gegensazu zum Leser] doch bei unserer Meinung, daß ..." "Wir geben zu, selten so große Angst gehabt zu haben wie in diesem Moment..." Aber wie gesagt: Es ist schwierig und extrem riskant, das zu verwenden. Von Harki am Do, 19.4.2007, 22:15, bearbeitet, (5x) |
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