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Mag sein, daß meine Kenntnisse veraltet sind. Ich habe seit Januar `98 kein Korpo-Haus mehr betreten. Vorbei ist vorbei.
In der Blütezeit des studentischen Verbindungswesens gab`s keine Altherrenschaften, und das aus gutem Grunde. Der Einfluß von Philistern stellt eben eine Verfälschung der den Studenten eigentümlichen Lebensweise dar. Nichts peinlicher, als irgendwelche 80jährigen Ex-Chefärzte, die, eine Träne im Knopfloch, nach dem dritten Glas Bier "Heute ist heut`" gröhlen.
Erst als piekfeine Corps anfingen, aus den Hinterzimmern der Studentenkneipen auf schloßartige Häuser umzusiedeln, konnte man der Unterstützung der Ehemaligen nicht mehr entraten. Die erste Korporation, die diesen Schritt tat, war meines Wissens das Corps Teutonia Marburg* (das den ehemaligen Bundesinnenminister Manfred Kanther zu seinen Philistern rechnet) im Jahre 1864. Deren Haus ist bis heute das größte und schönste Verbindungshaus am Ort. *"Teutonia" ist eigentlich ein Corps-untypischer Name. Ist eher buxig. Die Corps sind ja - als die Nachfahren der Alt-Landsmannschaften ("nationes") an den Universitäten des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit - eher territorial und feudal als deutschtümelnd. edit: Und sie sind - im Gegensatz zu den Burschenschaften, die ein dezidiert politisches Selbstverständnis haben - strikt und bedingungslos unpolitisch. In guter Gesellschaft schickt es sich eben nicht, über Politik zu reden. Die Corps aber sind in ihrer Zusammensetzung ein getreuliches Spiegelbild der alten deutschen Oberschicht. In den älteren Universitätsstädten existiert um das corpsstudentische Milieu herum ein regelrechter Heiratsmarkt der "besseren Stände". "The future`s so bright, I gotta wear shades" Von Coriolan am Di, 2.3.2010, 18:41, bearbeitet, (4x) |
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Harki hat geschrieben:
"Funzen"? "Flunsen"? Klingt ja fast so charmant wie das in anderen (aber vielleicht geistesverwandten) Kreisen übliche "Dosen". ![]() Wär ja fast schon ein eigenes Thema wert, diese Bezeichnungen. Sind selten charmant, so wie das (in eher proletarischen?) Gruppen verwendete "Ischen". Kreativ (irgendwie) ist das allemal. Und interessant, daß es mehr solche Bezeichnungen für Frauen gibt als für Männer. Oder? |
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@ Huldra
Diesen Thread kann man nicht sinnvoll teilen, ich hatte auch überlegt... --- Und noch zum Wort "dumpf". Es mag ja sein, daß das eine linksliberale Totschlagvokabel ist. Aber genauso habe ich Herrenpartien und Männerrunden/bünde immer empfunden. Das als "Kameradschaft" maskierte gegenseitige Belauernd, die peinlichen, zotig-dumm-frauenfeindlichen Ham-wa-gelacht-Witze, die Notgeilheit und Mysogynie. Und so weiter. Auch die schnell zutage tretenden Weinerlichkeit. Das Stoffelig-Uncharmante. Ja: dumpf. Ich weiß schon, weshalb ich nicht zum Bund gegangen bin. |
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Zitat:
Corps Teutonia Marburg* (das den ehemaligen Bundesinnenminister Manfred Kanther zu seinen Philistern rechnet) Der ist alter Sack beim Corps Guestphalia. http://szenesprachenwiki.de/definition/flunse/ "Jede vergangene Zeit war besser" - Jorge Manrique |
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Zitat:
Der ist alter Sack beim Corps Guestphalia. Ach nee.
Ich hätte wetten können, daß es ein Tefte war, der mir erzählte, Häuptling Silberlocke sei AHAH-Vorsitzender bei ihrem Verein. Naja...egal. "The future`s so bright, I gotta wear shades" |
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Coriolan hat geschrieben:
Zitat:
Der ist alter Sack beim Corps Guestphalia. Ach nee.
Ich hätte wetten können, daß es ein Tefte war, der mir erzählte, Häuptling Silberlocke sei AHAH-Vorsitzender bei ihrem Verein. Naja...egal. ![]() Welches Haus ist das denn in Marburg? Verwechsel die immer |
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Nebenan sind die Nebelzwerge
, so `ne Landsmannschaft im CC...deren Haus wirkt im Vergleich zu dem der Teften aber wie `ne Hundehütte. "The future`s so bright, I gotta wear shades" |
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Wenn ich das schon höre: "Basisbewegung".
Es ist kennzeichnend für eine Basis, sich gar nicht zu bewegen. Und erst in einer und die einer Kirche.
http://www.focus.de/panorama/vermis ... dikt-xvi-_aid_487495.html |
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Zitat:
Von 1977 bis 1981 war Joseph Ratzinger Bischof von München und Freising – er muss also die Frage beantworten, was er damals gewusst hat und weshalb er wie gehandelt hat“, sagte Sprecher Christian Weisner der Nachrichtenagentur DAPD am Sonntag. Ganz schön frech, das Pack. "The future`s so bright, I gotta wear shades" |
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Ich habe jetzt keine Lust rauszusuchen, wo das war, aber ein Strafrechtler hat's diese Woche hübsch auf den Punkt gebracht:
Man stelle sich vor, in einem Werk der Firma Siemens wäre es zu systematischem sexuellen Mißbrauch von Arbeiterinnen durch die Werkleitung gekommen. Und der Vorstand der Firma erklärte, die Staatsanwaltschaft nur nach eigenem Gutdünken und nach sorgsamster Gewissensprüfung einschalten zu wollen. Ich sähe nicht, was gegen diese Analogie spräche. (Abgesehen davon, daß in der Analogie keine Minderjährigen involviert sind.) Man möchte schreien: [.] Von Harki am Mo, 8.3.2010, 10:36, bearbeitet, (1x) |
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Die Kirchenbasis gehört doch quasi zum Verein, und wenn sie sich auf Kosten der Zentrale ein paar brownie points verdienen will, hat das schon einen seltsamen Geruch. Da es offenbar flächendeckend geschehen ist, muß davon ausgegangen werden, daß diese Zustände von der Basis lange als normal hingenommen wurden. Nicht auszuschließen, daß diese Praktiken einen über sie selbst hinausweisenden Zweck hatten: nämlich den Zweck, bei allen Beteiligten wahre Paroxysmen des Schuldgefühls zu erzeugen.
Freilich liegt es in der Natur dieser Art von Vergehen, daß sie unter der Decke gehalten werden, was für mich übrigens schwer erklärlich ist: Höllenstrafen oder Exkommunizierung dürfte spätestens in den 70er Jahren niemand mehr gefürchtet haben. Warum also dann ? Andererseits: Wenn der Leiter einer elitären privaten Bildungseinrichtung wie der Odenwald-Schule, ohne daß es zu Anzeigen kommt, ihm anvertraute Schüler seinen Gästen zur freien sexuellen Verfügung überläßt, dann muß man davon ausgehen, daß an dieser Schule eine Art homosexueller Subkultur bestanden hat, nicht unähnlich der, für die englische Einrichtungen dieser Sorte berüchtigt sind. Stimmst du mir nun zu, daß die Kirche diesen Skandal nicht überleben wird ? Es nicht so sehr die moralische Indignation, als die Lächerlichkeit, die tötet. "The future`s so bright, I gotta wear shades" |
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Ich weiß es nicht.
Ich meine einfach, daß Elite-Zirkelchen so etwas begünstigen. So etwas passiert in Sekten. Daß allumfassender Republikanismus (meinetwegen: Staatlichkeit) dem entgegenwirkt. Grundschule: 4 Jahre. Es ist eh schon klar, wer wozu taugt. -> Hauptschule: Nochmals 6 Jahre (45 %) -> Realschule: Nochmals 7 Jahre (45 %) -> Gymnasium: Nochmals 8 Jahre (10 %) Keine Paukschulen. Unterricht endet am späten Mittag. Mäßige Hausaufgaben. Wir sind keine Schlitzaugen. Andererseits: Strikte Sortierung nach Fähigkeiten. Striktes Verbot auch von "Nachhilfeunterricht", oder derlei. Eltern, die ihre Kinder nach 15:00 Uhr was für die Schule tun lassen, werden bestraft. Kein Kurssystem mehr an Gymnasien. Allgemeinbildung. Rettung der Humboldtschen Universität. In der Schule: Reglement. In den (auszuholzenden) Unis dann Freiheit. Wie angedeutet: Alles mögliche tun, um zu verhindern, daß Bildung durch Einkommen der Eltern perpetuiert werden kann. |
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Coriolan hat geschrieben:
[...]
Stimmst du mir nun zu, daß die Kirche diesen Skandal nicht überleben wird ? Es nicht so sehr die moralische Indignation, als die Lächerlichkeit, die tötet. Sehr interessante Gedanken, und der letzte Satz ist ein gewichtiger Punkt. Was aber würde bedeuten, daß "die Kirche diesen Skandal nicht überleben wird"? Daß es in D keine Kirchensteuer mehr gibt? Daß kein Kirchenvertreter mehr im Rundfunkrat sitzt? Daß der Katholizismus in Nigeria verboten und verfolgt wird? Daß der Petersdom brennt? Daß niemand mehr Jesus Christus als den wiederauferstandenen Messias anerkennt? Oder ganz etwas anderes? Ich kann es mir nur nicht ganz vorstellen ... |
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Formal und nominell wird die Kirche wohl erstmal fortbestehen - ungefähr so, wie die DDR nach 9/11 fortbestanden hat. Ob sie als "katholische" (sprich: universelle) Kirche bestehen bleibt, wird sehr davon abhängen, ob Rom den nationalen Episkopaten Vorwände liefert zu sezedieren. Tut es das, werden die Katholiken Amerikas die ersten sein, die abfallen.
"The future`s so bright, I gotta wear shades" Von Coriolan am Mo, 8.3.2010, 3:37, bearbeitet, (1x) |
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Zitat:
daß an dieser Schule eine Art homosexueller Subkultur Wenn meine Erinnerung nicht trügt, besuchten mindestens 2 der Kinder Thomas Manns die Odenwald-Schule - von Golo weiß ich es ganz sicher. Golo, Klaus und Michael Mann waren schwul, Erika lesbisch, Klaus und Erika waren für damalige Zeiten sogar recht offen homosexuell (nicht ganz klar ist, ob zwischen ihnen auch ein inzestuöses Verhältnis bestand. Der Familientradition hätte es jedenfalls entsprochen: Thomas Mann selbst hat in einer skandalträchtigen Schlüssel-Novelle ["Wälsungenblut"] die inzestuöse Bindung seiner Frau an ihren Zwillingsbruder Klaus Pringsheim sozusagen einer weiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht). "The future`s so bright, I gotta wear shades" Von Coriolan am Mo, 8.3.2010, 19:01, bearbeitet, (1x) |
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