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So der Titel des neuen Spiegels.
Und so exakt mein Gedanke, als in der letzten Woche das nächste Anti-68er-Buch dieses Bildzeitungs-Menschen durch die Presse und durch die Blogs geisterte. Vielleicht sollte man sich auch wirklich gelegentlich klarmachen, daß man einen Gutteil dessen, was man an seinem eigenen Lebensstil angenehm findet, "den" "68ern" verdankt... |
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Harki hat geschrieben:
Ich musste eine kleine Korrektur im Zitat vornehmen. ;-)
Vielleicht sollte man sich auch wirklich gelegentlich klarmachen, daß man einen GutTeil dessen, was man an seinem eigenen Lebensstil angenehm findet, "den" "68ern" verdankt... Ausserdem ist der Spiegel-Titel "Es war nicht alles schlecht" so formuliert, was man Eva Hermann anhängen will. Klar hat es Gutes und Schlechtes in jeder Zeit gegeben. Die 68er hatten das Pech und wir das Glück, dass sie nicht so richtig zum Zuge kamen. Eigentlich erfüllt mich mit Stolz, dass Rechtsstaat und Demokratie so gut funktionierten, dass ein Umsturz irrealistisch blieb. Die Nazis hingegen hatten Glück und wir Pech, wegen Wirtschaftskrise und Versailler Verträge. Wie sagte der 68er Matthias Horx: "Spätestens ‘33 wären wir alle dabei gewesen." Von Toledo am Mo, 29.10.2007, 21:16, bearbeitet, (2x) |
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Vielleicht sollte man zwischen den `68ern und der unpolitischen Jugendbewegung, die ihnen vorherging, unterscheiden.
Die neo-marxistische Protestbewegung ist von dem gegenkulturellen "Aufbruch" nicht zu trennen, wohl aber zu unterscheiden. Im Grunde haben die `68er durch ihre Rigidität und ihren Fanatismus der Unbeschwertheit und dem Optimismus der vorangegangen Jahre ein Ende gesetzt. Wenn die siebziger Jahre als "bleierne Zeit" durch die Erinnerung manches Zeitgenossen spuken, so vermutlich im Bewußtsein des Kontrasts zu den Sechzigern, auf deren letzte Jahre bereits der Schatten des "roten Jahrzehnts" fiel. Daß die eskapistische Jugendkultur, die anfänglich im Zeichen von "Love and Peace" gestanden hatte, mit der Wende des Jahrzehnts in Frustration und Gewalt ausartete (La Bianca-Morde/Altamont/Isle of Wight/Fehmarn), hatte offensichtlich mit dem Auftreten der Studentenbewegung zu tun. |
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Es war wirklich eine schnell hingeworfene Bemerkung, weil das in letzter Zeit unvermeidlich gewordene 68er-Bashing anfängt, mir auf die Nerven zu gehen. Jedenfalls, wenn es von Weltenlichtern wie Eva Herman oder einem Bildzeitungs-Redakteur kommt.
Natürlich, man muß zwischen der Popkultur und den 68ern im engeren Sinne, die übrigens eigentlich 67er sind, trennen - obwohl eine säuberliche Scheidung sicher nicht möglich sein wird. Ich will nun auch nicht zum Neo-68er werden und bliebe beim Fernauschen Diktum vom "Kinderkreuzzug" - allerdings war es ohne Zweifel ein erfolgreicher Kinderkreuzzug. Man sollte sich allerdings, meine ich, grundsätzlich die Möglichkeit offenhalten, den 68ern zumindest zu attestieren, das ihr "Aufstand" eine Unvermeidlichkeit war - als politische Artikulation der ersten in Europa "sorgenfrei" aufgewachsenen Generation. |
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Harki hat geschrieben:
Klar, die Umstände erzeugen Handlungen. Jeder Generation ist das zu Gute zu halten.
Man sollte ... den 68ern zumindest zu attestieren, das ihr "Aufstand" eine Unvermeidlichkeit war - als politische Artikulation der ersten in Europa "sorgenfrei" aufgewachsenen Generation. Das Problem ist jedoch wahrlich nicht, dass die 68er zu viel kritisiert werden, von "Aufarbeitung" ganz zu schweigen. Überwiegend werden ihre Taten doch beschönigt. Insofern ist der Spiegeltitel eine Scheindebatte oder ein geschickter Akt von bestimmten Spiegelredakteuren den 68er Mief aufs Tapet zu bringen, während sich die 68er, die ja noch vielerorts an hohen und höchsten Stellen unter uns weilen (auch im Spiegel), verteidigt fühlen. |
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Unnötig zu sagen, dass ich das, wofür "die 68er" stehen größtenteils irregeleitet und ihre Leitfiguren größtenteils für wenig sympathisch halte.
Seitdem sich aber herumgesprochen hat, dass die Post-68er Entwicklung nun doch nicht (nur) toll war und eine "neue Bürgerlichkeit" um sich greift ist es tatsächlich so, dass sich jedermann berufen fühlt, auf diesen Zug aufzuspringen. Gnade für die 68er würde ich zwar nur bei Reue und Umkehr befürworten, die Pappnasen, die jetzt aber große Töne gegen die 68er spucken sind (fast) allesamt wenig glaubwürdig und fahren, meines Erachtens, einfach auf dem neuesten Zeitgeistzug mit... Das heißt nicht, dass ihre Kritik sachlich nicht berechtigt ist (dazu kann ich nichts sagen), dennoch gilt, wie anderswo schonmal geschrieben: An ihren Taten sollt ihr sei erkennen. Was ich vielen 68er aber zu gute halte ist, dass sie sich wirklich für ihre Überzeugungen eingesetzt haben und auch Nachteile und Schwierigkeiten in Kauf nahmen. Das sie heute auch nicht gerade so tolerant sind, wie sie damals gefordert haben, steht auf einem anderen Blatt, kann man ihnen vielleicht aber auch gar nicht wirklich vorwerfen. |
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Nikodemus hat geschrieben:
Gnade für die 68er würde ich zwar nur bei Reue und Umkehr befürworten Eben. Bitte keine Perlen vor die Säue werfen.
Harki hat geschrieben:
Als eingefleischter Querdenker war es natürlich klar, dass dir eine solche Kampagne gegen den Strich geht. Nun - realiter spukt immer noch sehr viel 68er-Denken in den Köpfen der Menschen rum. Was du allerdings zu den Annehmlichkeiten dieses Umsturzes sagst, ist sicher richtig. Bei aller Romantik für die Adenauer-Zeit wäre das "Zurück" eben doch sehr schmerzhaft für viele. Das "Selbst-Denken" wäre hingegen gefragt, das reaktionäre Schauen nach vorne. Und da hapert es beim modernen Reaktionär doch sehr. Das wurde mir vor einigen Jahren mal bei meinem Pfarrer ganz deutlich. Der predigte einmal sehr konservativ, doch man merkte ihm an, dass das ganze aus den Anforderungen der Gemeinde erwachsen war. Eine Reflexion war kaum gegeben. Wir werden künftig viele solche Konservative zu sehen bekommen, wobei Eva Hermann da noch nicht mal ein passender Exponent ist, hat sie doch gehörige Standfestigkeit gezeigt. Man wird damit leben müssen, sich teils freuen, weil es doch irgendwie gut ist, wenn Themen auf den Tisch kommen, die lange ausgeblendet wurden, sich teils ärgern, weil man genau merkt, dass diese Leute wegen der Quote, wegen des schon erwähnten "reaktionären Radical-Chics" so reden. Es war wirklich eine schnell hingeworfene Bemerkung, weil das in letzter Zeit unvermeidlich gewordene 68er-Bashing anfängt, mir auf die Nerven zu gehen. |
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Möchtegern hat geschrieben:
Bei aller Romantik für die Adenauer-Zeit wäre das "Zurück" eben doch sehr schmerzhaft für viele. Das "Selbst-Denken" wäre hingegen gefragt, das reaktionäre Schauen nach vorne. Schöne Formulierung. Oder um es mit Kuehnelt-Leddihn zu sagen: Es geht nicht um ein zurück ins Mittelalter. Es geht um ein neues Mittelalter. |
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Die (west)deutsche Linke hat keine Revolution gemacht; sie hat das System metapolitisch enteignet - dies der Grund, warum die großspurig annoncierte "geistig-moralische Wende" ausgeblieben ist, warum weder der Zusammenbruch des Realsozialismus noch die Wiedervereinigung den "langen Marsch" haben zum Stehen bringen können. Trotz mancher residualer Sympathie hatten die `68er in ihrer Mehrheit mit dem Realsozialismus nichts mehr am Hut, und so blieb ihre Art des "Linksseins" von dessen Ende nicht bloß unberührt, sie konnten sich sogar ein bißchen auf der Siegerseite fühlen. Und auch die Tatsache, daß nach der sog. "Tendenzwende" Personen, die ihnen nicht wohlgesonnen waren, an den Hebeln der Macht saßen, hat ihren Siegeszug nicht bremsen können. Während Schmidt und Kohl die `68er degoutant fanden, hielt deren Gedankengut längst Einzug in die Parteijugend selbst der CDU.
In Wahrheit ging es nie um "soziale Revolution", sondern um Gesinnungsreform, um einen gesteuerten Werte- und Mentalitätswandel, und zwar in sämtlichen westlichen Ländern, vor allem aber in Deutschland. Wenn alte `68er wie Matussek von patriotischen Frühlingsgefühlen angewandelt werden, ist das nur ein desto sicheres Zeichen, daß ihr Sieg total gewesen ist - so total, daß mancher unter ihnen darüber gönnerhaft wird. Die `68er und ihre Nachfolger haben gerade deshalb Erfolg gehabt, weil sie sich von antikapitalistischen Illusionen verabschiedeten und "linksliberal" wurden. Wer die Systemfrage stellte, endete schon mal im Berufsverbot, im Suff oder in Stammheim. "Wir haben dieses Land gründlich zivilisiert", sagen sie - die 68er waren ein Produkt der weltpolitischen Konstellation der 60er Jahre, und die von ihnen angestoßene "Verwestlichung des Alltags" bestand vornehmlich im Einrennen offener Türen. "Sozialismus ist nur bei florierendem Kapitalismus finanzbar", sagte in den achtziger Jahre ein Politiker der Hamburger Grünen - nun, nicht gerade Sozialismus, aber die "Zivilgesellschaft", der therapeutische Staat. Warum hat die bundesdeutsche Linke keine Revolution zustandegebracht, ja nicht einmal den gescheiterten Versuch einer solchen ? Weil sie, allem rhetorischen Antikapitalismus zum Trotz, im Kerne nichts anderes ist, als ein radikaler Wurmfortsatz der re-education-Kultur. Dafür sind ihre Repräsentanten, linksliberal gewendet, um so erfolgreicher gewesen. Vor dem beispiellosen Erfolg ihres metapolitischen und kulturellen Hegemoniestrebens glichen sogar die mächtigsten ihrer Widersacher in der politischen Sphäre Kapitänen, die, obwohl sie volle Befehlsgewalt über Besatzung und Passagiere hatten, unfähig waren, den Kurs des Staatsschiffes zu bestimmen. Diese Unfähigkeit wurde manifest in dem Unvermögen, das Erscheinen der GRÜNEN und ihre dauerhafte Etablierung zu verhindern. Die Grünen aber waren nichts anderes, als der politische Arm der linksliberalen Gesinnungselite (aka "neuester Mittelstand"). Die genuinen Linken, die sich enttäuscht von den Grünen abwandten, hatten etwas sehr Wesentliches nicht begriffen. Den 68ern kann es herzlich egal sein, wie man ihr damaliges Treiben beurteilt. Die bundesrepublikanische Substanz, auf die ihre Kritiker sich berufen, ist längst in ihre Hände übergegangen, und die Folgen ihrer jahrzehntelangen Infiltration werden erst jetzt absehbar. Eine Diskussion darüber, ob oder ob "nicht alles schlecht war damals", trägt dazu bei, diesen Sachverhalt zu verschleiern. Von Coriolan am Mi, 7.11.2007, 15:05, bearbeitet, (1x) |
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"Den 68ern kann es herzlich egal sein, wie man ihr damaliges Treiben beurteilt. Die bundesrepublikanische Substanz, auf die ihre Kritiker sich berufen, ist längst in ihre Hände übergegangen, und die Folgen ihrer jahrzehntelangen Infiltration werden erst jetzt absehbar."
Interessant Coriolan! Besonders das mit der "Substanz". Ich habe mich schon oft gefragt, was dazu gehört, wobei zu klären wäre, ob der Begriff sich auf Verfassung, Institutionen etc bezieht oder auf die ideologische gegenwärtige "Substanz". Vielleicht wäre es besser statt Substanz den unter Louis Philippe entstandenen Begriff des juste milieu zu benutzen. Mich interessiert, wer heute diese juste milieu bildet, die ich gerne mit "korrekte Mitte" übersetzen würde. Gemeint ist das gutbürgerliche, tonangebende, der Mainstream. Dazu gehört zB Stoiber nicht, der 40 Jahre lang mit derselben Frau verheiratet ist und sie auch noch "Muschi" nennt. Schon eher Schröder mit 4 Ehen, der sogar das "bereichert euch" des alten juste milieu zu seiner Devise gemacht hat. Grass ebenfalls, der immer noch gerne Bürgerschreck wäre, was er so richtig nie war. Heute vertritt er jedenfalls das Korrekte. Man fragt sich, gegen welche Mauern er anrennt, wenn er wie zu seinem 80 wieder einmal die Demokratie in Gefahr sieht, was er seit 60 Jahren tut. Typische Figuren der korrekten Mitte sind für mich TV-Moderatoren wie Jauch, Beckmann oder Kerner ("Autobahn geht gar nicht.") Ob die Ursache dafür irgendeine "jahrzehntelange Infiltration" ist, würde ich doch bezweifeln. Das einige und einiges von 68 inzwischen zur korrekten Mitte gehören, liegt wohl eher am Mangel irgendeiner anderen Substanz. Was gefüllt wurde, war ein Vakuum. |
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Natürlich war die "Infiltration" nicht in erster Linie das Resultat staatsfeindlicher Verschwörung (obwohl sie in Einzelfällen auch das war, vornehmlich bei jener Sorte von 68ern, die ihren Bürgerkinderkreuzzug als proletarischen Revolutionsversuch mißverstanden und sich darum östlichen Geheimdiensten andienten - Reiner Rupp wäre ein Beispiel).
Mit einem Körnchen Salz versetzt, ließe sich die Auffassung vertreten, daß die Bundesrepublik in den 68ern zu sich selbst gekommen ist. Schließlich darf nicht vergessen werden, daß diese Leute von bedeutenden Teilen des bundesdeutschen Establishments nach Kräften gefördert wurden. Die Berliner Ereignisse von 1967/68 wären ohne die Schützenhilfe der Medien gar nicht ins öffentliche Bewußtsein gedrungen. Schon 1964 hatte es in Berlin anläßlich des Staatsbesuches des kongolesischen Ministerpräsidenten Tschombe schwere Krawalle gegeben, aber sie waren den Zeitungen, wenn überhaupt, nur ein paar Zeilen wert gewesen. Und natürlich trifft den "konservativen" Teil des bundesdeutschen Establishments eine Mitschuld am Erfolg der `68er. Mehr als die larmoyante Klage über "Wohlstandsverwahrlosung", "Dekadenz" und "Undankbarkeit" hatte das christdemokratische/christlich-soziale Lager den `68ern nicht entgegenzusetzen. Das typische JF-Gejammer ist ein Nachschein christlich-bürgerlicher Hilflosigkeit im Angesicht der antiautoritären Revolte. Die heute den Unionsparteien den letzten Rest an konservativem Profil rauben wollen, sind - sofern sie aus dem Westen stammen - ehemalige JU- und RCDS-Kader, die an den Hochschulen der 70er im Kampf gegen die linke Übermacht einen Milieuschaden davontrugen. Offenbar haben diese Leute den Faschismusverdacht, gegen den sie sich auf Schritt und Tritt verteidigen mußten, im Laufe der Zeit verinnerlicht. Von Coriolan am Mi, 7.11.2007, 18:33, bearbeitet, (1x) |
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@ Coriolan
Du müsstest dich entscheiden, ob die Linke nun das System metapolitisch enteignet hat, ob er ob duch die 68er dieses System zu sich selbst gekommen ist. - Ich schließe mich eher Nicolas an - es gab im wesentlichen keine Substanz, außer dem 'Wirtschaftswunder', das die Bundesrepublik wirklich zusammenhielt oder, besser gesagt, ihr Identität verlieh. Die Vergangenheit war so kurz nach dem Krieg kontaminiert, so dass die Schicksalsgemeinschaft der Nation sich auf das Jetzt fixierte, vielleicht fixieren musste. Die 68er haben diesen unnatürlichen Zustand angegriffen, da braucht man keine Umerziehung. Und die Generation(en), die nationalsozialistische Herrschaft getragen haben, hatten da letztlich wenig entgegenzusetzen, weil - denke ich - schon der Sieg des NS auf mangelnde Substanz und Identität der Weimarer Republik zurückzuführen war. Die 68er sind ja nicht als Strafe Gottes vom Himmel gestiegen, sondern sie haben sich durchgesetzt - vermutlich, weil eine späte Strafe für den NS, durch den man jedes positive Verhältnis zur Nation, zur Regeln usw diskreditieren konnte. Im Grunde waren die 68er eine Art verkappte Ersatzreligion, wie der NS auch. Eine Weltdeutung, ohne oder gegen das, was diskreditiert erschien. Man kann ja nicht die "Dämonisierung" des NS anprangern und gleichzeitig die 68er dämonisieren, als wären sie ein quasi-übernatürliches Ereignis, das plötzlich aus finsteren Ecken hervorgebrochen sein. Vielleicht waren sie ein fast natürlicher Pendelausschlag nach dem NS. Aber diese Zeit ist nun auch vorbei und jetzt geht es daran, wieder ein vernünftiges Maß zu finden. Das wird nicht einfach die Mitte zwischen falschen Extremen sein. |
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Zitat:
es gab im wesentlichen keine Substanz Sagen wir es so: Die Bundesrepublik lebte von einer Substanz, die nicht die ihre war, und älter als sie, und sie hat diese Substanz verschleudert: die ererbte Tüchtigkeit des Volkes in allen seinen Schichten. Die Gemeinschaftsanstrengung des Wiederaufbaus hatte ein noch weitgehend ungebrochenes Nationalgefühl zur Voraussetzung. Von ein paar Intellektuellen abgesehen, kam in den ersten fünfzehn Nachkriegsjahren niemand auf den Gedanken, im Interesse einer Bewältigung der Vergangenheit das deutsche Nationalbewußtsein zur Disposition stellen zu sollen. Hätte der Remigrant Ernst Reuter 1948 an das Gewissen der Welt appelliert ("Völker der Welt, schaut auf diese Stadt !"), wenn er sich als Konkursverwalter einer schuldbefleckten, widerlegten Nation gefühlt hätte ? Die junge Bundesrepublik bewegte sich keineswegs überheblich, aber im sicheren Gefühl ihrer neuerlangten Bedeutung auf dem internationalen Parkett: Die sog. "Hallstein-Doktrin" etwa würde heute als ungeheuerliche Anmaßung empfunden werden. Von Coriolan am Fr, 7.12.2007, 1:54, bearbeitet, (1x) |
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Coriolan hat geschrieben:
Zitat:
es gab im wesentlichen keine Substanz Sagen wir es so: Die Bundesrepublik lebte von einer Substanz, die nicht die ihre war, und älter als sie, und sie hat diese Substanz aufgezehrt: die ererbte Tüchtigkeit des Volkes in allen seinen Schichten. Die Gemeinschaftsanstrengung des Wiederaufbaus hatte ein noch weitgehend ungebrochenes Nationalgefühl zur Voraussetzung. Von ein paar Intellektuellen abgesehen, kam in den ersten fünfzehn Nachkriegsjahren niemand auf den Gedanken, im Interesse einer Bewältigung der Vergangenheit das deutsche Nationalbewußtsein zur Disposition zu stellen. Hätte der Remigrant Ernst Reuter 1948 an das Gewissen der Welt appelliert ("Völker der Welt, schaut auf diese Stadt !"), wenn er sich als Konkursverwalter einer schuldbefleckten, widerlegten Nation gefühlt hätte ? Die junge Bundesrepublik bewegte sich keineswegs überheblich, aber im sicheren Gefühl ihrer neuerlangten Bedeutung auf dem internationalen Parkett: Die sog. "Hallstein-Doktrin" etwa würde heute als ungeheuerliche Anmaßung empfunden werden. Da kann ich ganz zustimmen. Ich dachte vor allem an die - einigermaßen verrückte - Äußerung des ehemaligen Außenministers Fischers, der meinte die BRD-Identiät würde auf Auschwitz aufbauen (so ähnlich hat er sich ausgedrückt). Das war sicher Unsinn. Sicher wurde die BRD vor dem Hintergrund der NS-Diktatur errichtet, aber sicher nicht als "Anti-Auschwitz", sondern in Kontinuität zu Deutschland in seiner Geschichte. Diese wirren Ansichten haben uns dann die 68er beschert. Es bleibt aber dabei, dass es doch interessant ist, dass sie den Laden so schnell auf den Kopf stellen konnten (so steht er ja mehr oder weniger bis heute). |
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Coriolan hat geschrieben:
Die (west)deutsche Linke hat keine Revolution gemacht; sie hat das System metapolitisch enteignet - dies der Grund, warum die großspurig annoncierte "geistig-moralische Wende" ausgeblieben ist, warum weder der Zusammenbruch des Realsozialismus noch die Wiedervereinigung den "langen Marsch" haben zum Stehen bringen können...
In Wahrheit ging es nie um "soziale Revolution", sondern um Gesinnungsreform, um einen gesteuerten Werte- und Mentalitätswandel, und zwar in sämtlichen westlichen Ländern, vor allem aber in Deutschland. ... deshalb Erfolg gehabt, weil sie sich von antikapitalistischen Illusionen verabschiedeten und "linksliberal" wurden... Den 68ern kann es herzlich egal sein, wie man ihr damaliges Treiben beurteilt. Die bundesrepublikanische Substanz, auf die ihre Kritiker sich berufen, ist längst in ihre Hände übergegangen, und die Folgen ihrer jahrzehntelangen Infiltration werden erst jetzt absehbar. Eine Diskussion darüber, ob oder ob "nicht alles schlecht war damals", trägt dazu bei, diesen Sachverhalt zu verschleiern. Ausgezeichnete Analyse, Coriolan, das Schlüsselwort heißt keineswegs "68" sondern Liberalismus! 68 ist die Avantgarde des Neoliberalismus gewesen, sie hat eine gewaltige Kulturrevolution mit weitergetragen, gescheite Köpfe der Linken haben das auch sehr früh bemerkt, grotesk ist, dass bis heute viele 68er-Apo-Logeten eine anti-neoliberalistische Haltung zur Schau tragen, ohne dass sie dazu irgendeine Legitimation besitzen. Der geistige Überbau des Neoliberalismus wie auch der der 68er ist vollständig kongruent, er besteht in einer zornigen Verkündungigung eines einzigen Postulates, dem nach vollständiger Autonomie. Diese Autonomie leugnet die Abhängigkeit des Menschen von seiner Herkunft, Tradition, Nation usw., als weiterführende Lektüre sei Armin Mohlers Werk "Liberalenbeschimpfung" (1990, Heitz und Höffkes) mit dem Kapitel "Gegen die Liberalen" empfohlen.Gesinnungselite (aka "neuester Mittelstand"). Die genuinen Linken, die sich enttäuscht von den Grünen abwandten, hatten etwas sehr Wesentliches nicht begriffen. Den 68ern kann es herzlich egal sein, wie man ihr damaliges Treiben beurteilt. Die bundesrepublikanische Substanz, auf die ihre Kritiker sich berufen, ist längst in ihre Hände übergegangen, und die Folgen ihrer jahrzehntelangen Infiltration werden erst jetzt absehbar. Eine Diskussion darüber, ob oder ob "nicht alles schlecht war damals", trägt dazu bei, diesen Sachverhalt zu verschleiern. |
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