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Wolfgang Pohrt (der 1968 Finanzreferent beim SDS-Bundesvorstand in Frankfurt war) versteht sich nach wie vor als Linker, ja, mehr noch: Im Grunde hält er sich für einen der letzten Aufrechten. In den frühen 80ern, als linker Kritiker der Friedens- und Ökologiebewegung, war Pohrt ein gefragter Mann, schrieb nicht nur für KONKRET, sondern auch für Kursbuch, FR, ZEIT und SPIEGEL. Die Unbeirrbarkeit, mit welcher er der Versuchung getrotzt hat, sich vereinnahmen zu lassen, nötigt mir einen gewissen Respekt ab. Aus Pohrt hätte leicht ein milde lächelnder, unentwegt konzessionierte Weisheiten absondernder Weltweiser vom Schlage Enzensbergers werden können, wenn er es wirklich darauf angelegt hätte.
20 Seiten nach dem oben zitierten Passus spricht Pohrt über seine Rolle als Kritiker der bundesdeutschen Linken (und über die unbeabsichtigten Folgen seiner Kritik):
Zitat:
Zugeben muß ich allerdings, daß meine Texte bisweilen eine keineswegs von mir bezweckte Wirkung hatten. Unter den alten Linken aus der Protestbewegungsgeneration gab es manche oder viele, die mit dem Vaterland und seinem Establishment vornehmlich deswegen gehadert hatten, weil ihnen die Bundesrepublik ganz einfach zu klein gewesen war.
Die BRD war ein Land, in welchem ihr gewaltiger, nach Weltgeltung strebender Ehrgeiz sich nicht befriedigen ließ. Deshalb hielten sie sich an universellere Dinge, an die Moral und an die Revolution. Im Jahr 1990 wurde ihnen allmählich klar, daß sie umsatteln mußten, es war mal wieder ein Paradigmenwechsel fällig. Mit der Revolution war`s Essig, aber das verdoppelte Deutschland schien eine Firma von der Größe zu werden, bei der sich das Karrieremachen wirklich lohnt. Problem: Wenn meine Nase neue Marktchancen wittert, wie kann ich sie wahrnehmen, obgleich mein Berufsbild doch gleichzeitig von mir verlangt, daß ich nicht als Opportunist zu erkennen bin ? Lösung: Ich muß meinen Gesinnungsschwenk als ein Produkt tieferer Einsicht ausgeben. Das war der Grund dafür, warum in manchen Zirkeln nach 1989 die Stalinismuskritik in Mode kam. Typisch deutsch vielleicht, immer den Helden spielen zu wollen, wenn der Gegner eine Leiche ist. Ich kann mir nun denken, daß manchen dieser Leute meine Texte willkommen waren. Weil sie im doppelten Deutschland eine staatstragende Rolle spielen wollten, brauchten sie eine Begründung dafür, sich von den Linken zu distanzieren, und diese Begründung bekamen sie von mir. Ich habe ihnen gewissermaßen eine Brücke gebaut, über die man von der Parteinahme für die Revolution zur Begeisterung für die Zivilgesellschaft und ähnlichen Krimskrams kommt. Sie nahmen meine Verurteilung der hiesigen Linken als Vorwand dafür, künftig das Wort Kapitalismus meiden zu dürfen. Aber natürlich hätten die das Ziel auch ohne meine Brücke erreicht. Mein Beitrag mag für mich persönlich manchmal ärgerlich sein, objektiv geschadet hat er nicht. "The future`s so bright, I gotta wear shades" Von Coriolan am Sa, 9.5.2009, 17:11, bearbeitet, (1x) |
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Verschoben: Sa, 10.4.2010, 13:22 Uhr von Harki Von Feuilleton nach Politik |
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*schubs*
"Die letzten Gefechte" Guter Artikel des Alt-SDS`lers und linken Theoretikers Robert Kurz über "(...) den Pariser Mai, den Pariser Dezember und das Bündnis für Arbeit"
Zitat:
Der grüne Allerweltsdemokrat meint im beschaulichen Rückblick, 1968 sei »die letzte Revolution gewesen, die noch nichts vom Ozonloch wußte«. Mit Blick auf die soziale Physiognomie von ihm und seinesgleichen können wir sagen, 1968 war die letzte Revolution, die noch verbeamtet werden konnte. Ja, der Pariser Mai war das unwiderruflich letzte Gefecht der bürgerlich-proletarischen Revolution in der Moderne, der letzte Schnaufer eines asthmatisch gewordenen Jakobinismus, das letzte Gefecht des Geldverdiener-Bewußtseins, das noch in revolutionären Kostümen ausgetragen werden konnte. Mit dieser Revolution ist es aus, weil sie ihr immanentes Ziel längst überschritten hat. Die warenförmigen Revolutionen, die jetzt noch ausgerufen werden, finden nur noch in den Werbetexten eines Gaga-Konsumerismus statt. Die politische Revolution war der Weg des Fetischismus, das Resultat ist nicht romantisch. Der urbane Konsumdepp und Marktlückenforscher hat gesiegt, über den Preis reden wir später. http://www.linke-buecher.de/texte/k ... efechte_krisis18_1996.htm "The future`s so bright, I gotta wear shades" Von Coriolan am Mo, 12.4.2010, 17:35, bearbeitet, (1x) |
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Interessanter Beitrag zur Entstehungsgeschichte des Heidelberger SPK:
http://mathphys.fsk.uni-heidelberg.de/ruprecht1.html "The future`s so bright, I gotta wear shades" |
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Was ich nicht so recht verstehe bei dem SPK, anfangs waren es 50 Psychatrie-Patienten, da kann man ja davon ausgehen, dass die wirklich was hatten. Aber dann wuchs das auf 500 Patienten an worunter dann auch S Hausner oder H. Krabbe (RAF) waren... waren die jetzt wirklich irgendwie gestört, oder war das nur so ein Getue?
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Zitat:
waren die jetzt wirklich irgendwie gestört, oder war das nur so ein Getue? Wenn überhaupt, dann allenfalls latent. Um im Untergrund bestehen zu können, muß man seelisch ziemlich robust sein. "The future`s so bright, I gotta wear shades" Von Coriolan am So, 2.5.2010, 15:03, bearbeitet, (2x) |
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Coriolan hat geschrieben:
Zitat:
waren die jetzt wirklich irgendwie gestört, oder war das nur so ein Getue? Wenn überhaupt, dann allenfalls latent. Um im Untergrund bestehen zu können, muß man seelisch schon ziemlich robust sein. Also eher hart drauf als schizophren |
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Zitat:
Also eher hart drauf als schizophren Ja...die RAF war, davon abgesehen, ein Braintrust, in dem die verschiedenartigsten Talente versammelt waren. Beinahe bewundernswert, was die Jungs und Mädels so auf dem Kasten hatten. "The future`s so bright, I gotta wear shades" |
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Naja die Frage, ob sie sich unter den heutigen technischen Gegebenheiten noch so lange halten könnten. Das ist ja ähnlich wie mit irgendwelchen Serientätern, die werden auch schneller gefasst, als dies vor 40 Jahren der Fall war.
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Zitat:
ob sie sich unter den heutigen technischen Gegebenheiten noch so lange halten könnten. Das ist ein bißchen wie die Behauptung, daß Cruyff oder Beckenbauer im heutigen Fußball keine große Chance mehr hätten. Der Staat hat ja kein Monopol auf die Kommunikationsmittel. Die raf würde davon ebenfalls Gebrauch machen. Außerdem wären Feierabend-Terroristen wie die "Revolutionären Zellen", die tagsüber ein bürgerliches Leben führen, heute noch genauso schwer zu fassen wie vor 25 Jahren. "The future`s so bright, I gotta wear shades" |
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Aus Anlaß der raf-Erklärung, in welcher die raf u.a. zu dem von Kinkel lancierten Waffenstillstandsangebot Stellung nahm, trafen sich die Journalisten Gremliza und Ebermann, seines Zeichens ehemaliger Bundesvorstandssprecher der GRÜNEN, im Cellenser Gefängnis mit den dort einsitzenden raf-Terroristen Folkerts, Dellwo und Taufer.
Lutz Taufer, der an dem Angriff auf die bundesdeutsche Botschaft in Stockholm beteiligt gewesen war, sagte in diesem Gespräch etwas sehr Bemerkenswertes über den hegemonialen 68er-Diskurs; etwas, das auch 18 Jahre später nichts von seiner Gültigkeit verloren hat. Nämlich:
Zitat:
(...) daß der Geist der grundsätzlichen Opposition gegen den Kapitalismus von `68 über die Legende von der endgültigen Demokratie liquidiert wurde, die `68 bewirkt haben soll. (KONKRET-Gespräch: "Sie wollen uns auslöschen", erschienen in: KONKRET - Zeitschrift für Politik und Kultur 6/1992, zitiert nach: Vorwärts ! Nieder ! Hoch ! Nie wieder ! - Eine linke deutsche Geschichte 1957-1997 - 40 Jahre KONKRET, Hamburg 1997, S. 120) "The future`s so bright, I gotta wear shades" Von Coriolan am Do, 6.5.2010, 1:39, bearbeitet, (2x) |
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Die meisten Erziehungsheime, die von Leuten aus dem Dunstkreis der APO aufgemischt wurden, waren Heime der staatlichen Fürsorgeerziehung, etwa das Heim Staffelberg bei Frankfurt, dessen entlaufene Insassen in der Folge als Prügelgarde von Baader und Ensslin zu Ehren kamen.
Nichts hat so sehr dazu beigetragen, die Marcuse`sche Randgruppen-Strategie innerhalb der APO zu diskreditieren, wie der Kontakt mit den entlaufenen Fürsorgezöglingen. Die stahlen, prügelten und zogen ab, bis die Frankfurter Maoisten den längst aus der Mode gekommenen Begriff Lumpenproletariat aus der Mottenkiste holten und die jugendlichen Asos mit Gewalt aus der Szene entfernten. "The future`s so bright, I gotta wear shades" Von Coriolan am So, 9.5.2010, 20:18, bearbeitet, (2x) |
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Na, daß Klaus-Reiner Röhl als KONKRET-Herausgeber kleinen Mädchen unter die Röcke gefaßt hat, würde mich - wenn`s denn so sein sollte - nicht wundern. Wundern würde mich, wenn die diesbezüglichen Vorwürfe sich als gegenstandslos erweisen würden.
Vielleicht hatte Ulrike Meinhof es deswegen so eilig, 250 km plus den Eisernen Vorhang zwischen Röhl und dessen Töchter zu bringen. "The future`s so bright, I gotta wear shades" |
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Im Falle Röhls scheint es angebracht, von der physiognomischen Widerwärtigkeit auf den Charakter zu schließen.
In den 90er Jahren versuchte Röhl aus seinem Insiderwissen über die APO und deren Vorläufer eine zweite Karriere als Antikommunist zu zimmern und wurde dafür auf der pseudo-radikalen Rechten besinnungslos bejubelt. Röhls kurze zweite Karriere als Renegat war kein Einzelfall: Jedem DDR-Flüchtling, der einen Bleistift gerade halten konnte, winkte im Hause Springer eine journalistische Karriere. Was Betsy Röhl angeht, so hat Paul Gottfried (dem ich einen link zu Röhls Homepage geschickt hatte) mir vor längerem geschrieben, daß die Texte der Dame ihn merkwüdig neoconnish ankämen. Das ist nicht von der Hand zu weisen. "The future`s so bright, I gotta wear shades" Von Coriolan am Do, 6.5.2010, 15:27, bearbeitet, (1x) |
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Fakt ist: Lange bevor Cohn-Bendit, über seine Erfahrungen als Betreuer in einem Kinderladen plaudernd, Äußerungen tat, deren Bekanntwerden ihn, Jahrzehnte später, bei den französischen Grünen um Amt und Pfründen bringen sollte, verkörperte Klaus-Reiner Röhl wie kein Anderer die dunklen Seiten des kulturrevolutionären Aufbruchs der Endsechziger Jahre - jene Seiten zumal, mit denen der ernsthaft marxistische Teil der 68er Bewegung (noch) nichts zu tun hatte; die von den theoretisch reflektierten Köpfen der Studentenbewegung auf den Begriff der "repressiven Entsublimierung" gebracht wurden ---> die Sexwelle.
"The future`s so bright, I gotta wear shades" Von Coriolan am Mi, 12.5.2010, 16:36, bearbeitet, (2x) |
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Richtigstellung einiger weitverbreiteter Klischees über die Frankfurter Schule:
Zitat:
don't see the FS's connection to modern PC liberalism that you and MacDonald seem to see. There's a single book -- The Authoritarian Personality -- that might corroborate his claims, but much of the output of the FS, especially Dialectic of Enlightenment, almost qualifies as a kind of reactionary postmodernism. The opening sentence of Dialectic is typical of the FS's attitude towards 'progress': The fully enlightened earth radiates disaster triumphant.
The Frankfurters delighted in ridiculing mainstream liberalism's quaint, childlike faith in progress; in fact, Adorno and Horkheimer explicitly faulted the tikkan olam, 'save the world' gambits of modern liberals for the great tragedies and genocides of the twentieth century. Their studies on the so-called 'culture industry' were also remarkably prescient in predicting (and criticizing) the enormous transformation of social consciousness wrought by the influence of mass-produced media that flows like sewage from America's twin centers of decadence, NYC and LA. Under the weight of artificial culture, autonomous thought becomes cramped, capable of only moving along a narrow plane oriented towards a false goal of material ecstasy. What would Hollywood make of such sentiments? Consider, too, this passage from Dialectic, which could have just as easily been penned by the hand of Spengler or Heidegger: Once the utopia which inspired the hopes of the French Revolution had been absorbed, potently and impotently, into German music and philosophy, the established bourgeois order entirely functionalized reason. It became a purposiveness without purpose, which for that reason could be harnessed to any end. It is planning considered an end in itself. (pgs 69-70) Do these words sound like a ringing endorsement of social engineering to you? "The future`s so bright, I gotta wear shades" Von Coriolan am Mi, 12.5.2010, 15:01, bearbeitet, (1x) |
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