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Das Hochdeutsche wird zwischen Dialekt und Englisch zerrieben, dies ist der Befund eines heute in der FAZ erschienen Artikels, der leider nur für Abonnenten online greifbar ist.
http://www.faz.net/IN/INtemplates/f ... wischenseite.asp&dx1={3260F75A-DCA3-D0F2-0365-DD04319571B4}&rub={01345753-1D51-4A28-9550-C982F21BCDBF} Der Autor stellt zunächst fest, daß es post-Hitler beginnend bei den Eliten eine Sprachscham gegenüber der "gebellten Sprache" gegeben habe, die der zunehmenden Verwendung des Englischen Vorschub leistete. Durch den freiwilligen Ausstieg des Deutschen aus der Verwendung im prestigeträchtigen internationalen Umfeld (Wissenschaft, Diplomatie, Wirtschaft) verstärkte sich die Abwendung vom deutschen zunehmend. Während es für alöle Sprachen gilt, daß sie durch das Englische unter Druck geraten, so konstatiert der Autor, ist dies beim Deutschen wesentlich stärker der Fall, und zudem von der Zustimmung der Deutschen getragen. Bis hierhin liefert der Text nichts neues. Interessant wird es, wenn der Autor feststellt, daß das Hochdeutsche nicht nur "von oben" unter Druck gerät, sondern auch von unten, durch die Dialekte. An den Beispieln Baden-Würrtemberg und der Schweiz macht er seine Sicht deutlich. In der Schweiz würde das Hochdeutsch/Schriftdeutsch in immer weiteren Bereichen, er nennt den Wetterbericht, vom Schweizerdeutsch verdrängt werden, gleichzeitig aber auch seinen angestammten Platz als Hochprache in Wissenschaft und Wirtschaft an das Englische verlieren. Ähnliches gälte für BW, wo er den Werbespruch "Wir können alles außer Hochdeutsch" für symptomatisch hält. Auch dort würde, wie Ministerpräsident Öttinger ja in einer Rede bereits ankündigte, auf Dauer Schwäbisch die Umgangssprache und Englisch die Arbeitssprache werden. Hochdeutsch würde somit auf Dauer lediglich im Bereich der Lesekompetenz erhalten bleiben, der Autor fürchtet sogar eine drohende Auflösung des deutschen Sprachraums. Kritisiert wird auch, zurecht, daß die Deutschen dies auch noch tatkräftig fördern. Verzichtet die Spitzenwissenschaft schon seit langen darauf, deutsche Begriffe für ihre Forschungen zu entwickeln, wird diese Verarmung der Sprache nun bereits in die Schulen getragen. Dort werden immer mehr Fächer auf Engtlisch unterrichtet, so daß abzusehen ist, daß den Schülern künftig in wesentlichen Bereichen das deutsche Vokabular fehlen wird um sich angemessen darüber unterhalten zu können.
Zitat:
Das Ziel deutscher Schulpolitik ist ganz offensichtlich - Herr Oettinger hat es ja in aller Deutlichkeit gesagt - die Abschaffung des Deutschen als "Arbeitssprache", als wichtigster in der Schule zu erlernender Sprache. Umbenannt und zum Generalthema gemacht... Harki Lady Basildon: Ah! I hate being educated! Mrs. Marchmont: So do I. It puts one almost on a level with the commercial classes, doesn't it? -- ![]() Von frei_sein am Fr, 28.9.2007, 16:12, bearbeitet, (2x) Von Harki am Di, 10.8.2010, 12:37, bearbeitet, (1x) |
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Ja, den Artikel hab ich auch gestern abend gelesen. Subjektiv kann ich den Eindruck bestätigen, dass in Baden-Württemberg, Bayern und Österreich die Dialekte auf dem Vormarsch sind. Da in diesem Ländern das Hochdeutsche im Familiären kaum Tradition hat, scheint es in einer schwachen Position zu sein, weil es ihm an Ausdruckskraft gebricht -- ähnlich dem im Artikel beklagten Zurückweichen des Deutschen gegenüber dem Englischen in der Wissenschaft. Was letztere betrifft, bestreite ich nicht, dass es eher etwas Negatives ist, wenn bestimmte Themenbereiche kaum mehr auf Deutsch diskutiert werden können, frage mich aber, was eine praktische Alternative sein kann. Neue Ideen setzen sich ungeregelt durch, und ob es sinnvoll ist, sich zu einem frühen Zeitpunkt schon Gedanken über Terminologie zu machen, die dann höchstwahrscheinlich wenn überhaupt auch nur von einer kleinen Gruppe benutzt wird, wo man eigentlich die Zeit produktiver verwenden kann, weiss ich auch nicht. Das lässt sich wohl auch schlecht oktroyieren.
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Ist ein recht komplexes Thema, lohnt sich allemal, auf der Homepage des Autors Jürgen Trabant weiterzulesen. Zur Sprachpolitik der Wissenschaft habe ich eine ganz eindeutige Meinung. Ein kluger Kopf hat hier bereits den Begriff BSE= bad simple english geprägt, d.h., der deutsche Wissenschaftler spart sich - leicht größenwahnsinnig - den Übersetzer und bedient sich seines BSE bei seiner Publikation.
Ob ich die englische Sprache passabel beherrsche oder einen hinreichenden Sprachfundus besitze: dazwischen liegen aber Welten. Ein gutes Buch auf den Markt zu bringen bedeutet, sorgsam innerhalb eines größeren Vorrats an Begriffen abwägen zu können, Bilder wie auch Humor entwickeln zu können, feine Nuancen zu unterscheiden usw. usw. Es gibt auch bereits Berichte von amerikanischen und englischen Kongressteilnehmern, die einfach keine Lust haben, sich das inkompetente Gestammel von Rednern anderer Nationen, die sich des Englischen mächtig dünken, überhaupt noch anzuhören. Ich sehe da nur eine Lösung: am Ball zu bleiben und permanent die neuen Fachbegriffe in die deutsche Sprache zu übersetzen, auf Deutsch zu publizieren, sehr gute Übersetzer anständig zu bezahlen, um das Produkt dann schließlich - nunmehr konkurrenzfähig und in englischer Sprache - auf den internationalen Markt zu bringen. Die Schulbücher für das Fach Deutsch dokumentieren anschaulich eine andere Katastrophe. Ich sollte mal mit einem Viertklässler Diktat üben und hatte zu diesem Zweck ein ganzes neueres Lehrbuch quergelesen, stand natürlich einiges drin über den Umgang mit furchtbar sympathischen orientalen Mitbürgern, dunkelste deutsche Vergangenheit und die Wiederverwertung von Müll, aber wo ich auch las, die Sprache hatte keinen Pep, keinen Groove, keinen Humor, keine Romantik, diese Gesamtschulideologen haben schlichtemang keinen Stil. Schließlich flog der schmutzige Schinken gegen meine saubere Wand und der 10-jährige Bengel bekam ein paar Absätze aus "Pinocchio" diktiert. |
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Ach... Ich würde das wieder einmal nicht so dramatisch sehen wie in diesem Fall Trabant. Man hat ehrlich gesagt den Eindruck, daß sich da einer aufblasen will...
Sicher, daß Deutsche hat große Probleme mit dem Engeleutsch, Trabant faßt sicher auch zutreffend zusammen. Und natürlich ist es ein Skandal, wenn in deutschen Schulen Naturwissenschaften auf englisch unterrichtet werden, weil überkandidelte Eltern das fordern. Aber das betrifft eben auch nur die Naturwissenschaften. Der gesamte literarische, gesellschaftliche, kulturelle (etc. pp.) und eben auch politische Diskurs findet auf Hochdeutsch (mit ein bißchen dialektaler Färbung, natürlich) statt. Schon Ingenieure sind mit einer flüssig zu sprechenden Fremdsprache in der Regel einfach überfordert. peterfreimann hatte ja was dazu gesagt. Gut, Deutsch hat aus den von Trabant dargelegten Gründen Nachteile: Das mangelnde schnodderige Selbstbewußtsein vor allem. Aber es hat auch einen großen Vorteil: Nämlich einen quantitativen, nämlich die große Zahl seiner Muttersprachler. Holländisch wird nicht sterben, obwohl es von fünfmal weniger Leuten gesprochen wird als Deutsch. Und Deutsch erst recht nicht. Die Bedrohung durch die Akzente ist auch maßlos übertrieben. Wer möchte den Plattdeutsch, Hessisch, Saarländisch oder Pfälzisch zu Diskurssprachen machen? Letztlich betrifft das nur die Schweiz und - schon viel weniger - Schwaben. (Luxemburg lassen wir hier mal da, wo es hingehört, nämlich unter dem Tisch.) Zwei wirtschaftlich sehr erfolgreiche Gebiete im deutschen Sprachraum, die darunter leiden, daß alle anderen Deutschen über ihre Akzente lachen*. Und auch Oettinger spricht in seinem Landtag nicht Alemannisch, soweit ich weiß. Und die Schweizer müssen sich auch permanent beim Hochdeutschen bedienen, wenn sie ihre Umgangssprache irgendwie diskursfähig und wetterberichtsfähig halten wollen. Das wirkt halt einfach gequält und albern. Kein Mensch kann auf Schyzerdütsch oder Schwäbisch einen Roman schreiben. (Natürlich es nervt, wenn Bauerndialekte wie hier das Plattdeutsche vom Eurokraten-Geschmeiß zu "Sprachen" erklärt werden. Das hat meine Großmuttersprache Platt einfach nicht verdient.) Aber eben: Keine Panik. *) Nebenbei: Ich lache über beides nicht. Das liegt aber daran, daß ich durch einen biographischen Zufall persönlich nur sehr nette Schwaben kenne und ich das daher gerne höre. Normalerweise aber muß man eben lachen, wenn man das hört. Ist nun mal so, auch wenn's gemein ist. |
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Trabant nun heute in der SZ zu seinem Thema: "Peinliches Deutsch".
Es geht um die Neugründung von schicken englischsprachige Privatschulen in Berlin und wo sonst noch reiche Leute leben. Ferner darum, daß es nicht gut ist, wenn sich die Elite aus der Muttersprache verabschiedet, und daß derlei natürlich wieder einmal nur in Deutschland, nicht aber in Frankreich denkbar ist. Und daß es exakt das falsche Signal an die Migranten sei. Ich weiß schon, warum grundsätzlich für ein striktes Verbot von Privatschulen sind, seien es christliche, moslemische, anthroposophische oder eben reiche englische. |
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Harki hat geschrieben:
Ferner darum, daß es nicht gut ist, wenn sich die Elite aus der Muttersprache verabschiedet, und daß derlei natürlich wieder einmal nur in Deutschland, nicht aber in Frankreich denkbar ist. Und daß es exakt das falsche Signal an die Migranten sei. Nur kurz, da in Eile:
Zitat:
Der Autor war Professor für Romanische Sprachwissenschaft an der Freien Universität Berlin und ist jetzt Professor of European Plurilingualism an der Jacobs University in Bremen. Lady Basildon: Ah! I hate being educated! Mrs. Marchmont: So do I. It puts one almost on a level with the commercial classes, doesn't it? -- ![]() |
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Hähä, ja klar.
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Die Hansestädte haben, wohl auch historisch bedingt, eine Vorliebe für englische Uninamen (Jacobs University, Bucerius Law School) Gefolgt werden sie dabei von den Schwaben, bzw. Baden-Würtembergern (Zeppelin University, Stuttgart Institute of Management and Technology) und den homines novi in Berlin (Hertie School of Governance)
Lady Basildon: Ah! I hate being educated! Mrs. Marchmont: So do I. It puts one almost on a level with the commercial classes, doesn't it? -- ![]() |
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So ganz nebenbei, da es bei den WDWNMHK gerade mal wieder um Anglizismen geht, ich hoffe, ich habe es noch nicht erzählt: Vor Jahren habe ich in einer Übersetzer-Newsgroup mal eine interessante Diskussion zwischen wirklich sprachklugen und gebildeten Leuten mitbekommen - und zwar ging es um Germanismen im Englischen, gerade im amerikanischen Englisch.
Da spekultierte einer z.B. (ich weiß nicht, wie fundiert), ob der Bedeutungswandel des Wortes "hopefully" von "hoffnungsvoll"/"erwartungsvoll" zu "hoffentlich" (wie im Deutschen also) nicht auf den Einfluß des Jiddischen auf das New Yorker Englisch zurückzuführen sei. |
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Ich erinnere mich noch genau daran, wann ich das Wort zum ersten Mal gehört habe - 1985, aus dem Munde eines jungen Engländers aus Liverpool, der in jenem Sommer die Schule abgeschlossen hatte und auf die Bemerkung, daß er dann sicher bald einen Beruf ergreifen werde, antwortete:
Zitat:
Hopefully H.L. Mencken, in seinem Buch The American Language (1921), über die (tatsächliche und vermeintliche) Beeinflussung des amerikanischen Englisch durch den NYer jüdischen Jargon am Beispiel des Wortes "hick" (Provinzler, Landei):
Zitat:
Sometimes this colonialism goes to amusing lengths. During the Summer of 1921 a reviewer in the London Times was troubled by the word hick, used in a book by my associate, George Jean Nathan. At once an American woman novelist, Roof by name, dispatched a long letter to the Times, denouncing this hick as “middle class” slang from the West, hinting that such barbarisms were deliberately given circulation by “the German-speaking Jewish population of New York,” assuring the editor that her own ancestors “came to America in 1620,” and offering him a pledge that she would never cease to “adhere to the King’s English.” This letter, which appeared in the Times on July 14, was quoted with approbation by the Christian Science Monitor, the organ of New England Kultur, on Aug. 14. But already on July 21 the Times had printed a letter from William Archer showing that hick was actually perfectly sound English, and that it could be found in Steele’s comedy, “The Funeral.” Two weeks later, a Norwegian philologist, S. N. Baral, followed with a letter showing that hick was connected with the Anglo-Saxon haeg, indicating a menial or lout, and that it had cognates in all the ancient Teutonic languages, and even in Sanskrit! "The future`s so bright, I gotta wear shades" Von Coriolan am Mi, 16.12.2009, 22:29, bearbeitet, (1x) |
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Dazu fällt mir ein blöder alter Witz ein:
Deutschsprachiger Gast: "When will I become my Steak?" Britischer Kellner: "Never, I hope, Sir!" Das Eigentümliche bei Adorno ist, dass man nie recht weiß, was er eigentlich will. (Hanns Eisler) |
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Herzlichen Dank für Anekdote und Zitat!
(Daß der Typ, der das damals gemutmaßt hat, kein Antisemit war, brauche ich hier nicht festzuhalten.) Es ist vermutlich im einzelnen überhaupt nicht oder kaum zu belegen, wie das was wen beeinflußt hat. Es wäre ja schon denkbar, daß der junge Mann aus Liverpool auch einen plebeischen Dialekt gesprochen hat, in dem eben die lehrerhafte und gehobene Wörterbuch-Bedeutung von "hopefully" ähnlich umgebogen wurde wie im AE (ob nun durch das Jiddische oder durch die ja auch ansonsten für die USA so prägenden deutschen Einwanderer in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts oder "von selbst" oder sonstwie). Übrigens hatte es in besagter Newsgroup auch einmal eine belebte Debatte über die Aussprache von "hand" - ob also /hand/ oder /händ/. Wenn ich es recht in Erinnerung habe: das nordenglische /hand/ scheint auch im Süden immer mehr verwendet zu werden. (Der Ausgangspunkt war, und das sei zur Relativierung des Ruhmes diese Gruppe gesagt, dämliches Geläster über die doofen Deutschen gewesen, die eben /händ/ in der Schule lernen...) |
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Melusine hat geschrieben:
Dazu fällt mir ein blöder alter Witz ein:
Deutschsprachiger Gast: "When will I become my Steak?" Britischer Kellner: "Never, I hope, Sir!" Hähä, ich muß da schon an ne Bemerkung von @FraukeWatson im Twitter denken, als die Nerd-Spastis wegen Westerwelle gekrampft hatten, weil die Piratenpartei nur zwei Prozent bekommen hat. Aus dem Kopf: "Na, ein französischer Politiker hätte erstmal damit angegeben, kein Englisch zu können." |
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Zitat:
Beeinflussung des amerikanischen Englisch durch den NYer jüdischen Jargon am Beispiel des Wortes Nebenbei. Ich lese gerade, daß das jiddische Wort für "E-Mail" allen Ernstes "Blitzpost" oder "Blitzbrief" sein soll... |
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