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Weitere Artikel: Aus Anlass eines Gerichtsurteils, das dem PKK-nahen Sender Roj TV die weitere Ausstrahlung erlaubt, warnt Lorenz Jäger davor, die PKK und ihre Freunde ("oft aus der 'antideutschen' Linken") als ungefährlich abzutun. http://www.perlentaucher.de/feuilletons/2010-03-01.html#a26780 Der Jäger-Artikel ist auf faz.net (noch?) nicht online*), und es geht mir natürlich auch nicht um die Sache mit diesen kurdischen Sender. Es geht mir darum, mit welcher Begeisterung sich hier "die Rechten" (zu denen man Jäger wohl ohne weiteres zählen darf) auf die sogenannten "Antideutschen" stürzen. Mich erinnert das immer ein bißchen an eine alte Bemerkung Broders unter dem Titel "Das Internet verblödet". Daß nämlich 9/11-Verschwörungstheorien ohne das Internet auch nicht "über ein paar Berliner Kifferstuben hinausgekommen" wären, Zitat aus dem Gedächtnis. Also: Hätte jemand schon mal tatsächlich einen "Antideutschen" getroffen? Wieviele mag's da geben? Drei Dutzend oder gar Dreihundert? Damit meine ich jetzt nicht irgendeinen diffusen linksliberalen Selbsthaß, der vielleicht wirklich sehr "typisch deutsch" ist (den es in den USA aber haargenauso gibt), sondern Typen, die wirklich mit Slogans wie "Bomber Harris, do it again!" was anfangen können und sich (angeblich) nicht zu schade sind, zu diesem Zweck die stolze Fahne des Staates Israel zu mißbrauchen. Ich habe den Eindruck, daß derlei wirklich im wesentlichen im Internet und in die Angstphantasien von Rechten existiert. Fraglichen Harris-Slogan habe ich jedenfalls bis jetzt nur in Zitaten in rechten Angst-Krampf-Artikeln gehört. *) Edit: Jetzt ist er online. Von Harki am Mo, 1.3.2010, 15:51, bearbeitet, (1x) |
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In der "islamkritischen" Szene gibt es schon eine "antideutsche" Strömung, die sich im "Jungle World" und "Bahamas" usw. gruppiert. Wie groß die auch immer sein mag. In Bezug auf transatlantische Partnerschaft, Israelelsolidarität und Islamkritik hat diese Szene sogar recht große Überschneidungspotentiale mit den Konservativen, und wegen ihrer für Linke merkwürdigen Markfreundlichkeit, geboren aus dem Anti-Antiamerikanismus, auch mit den Liberalen.
In diesem Sinne habe ich schon einige Antideutsche getroffen und mit diesen geredet
Ob diese Fraktion mit den antideutschen Antifas, auf die sich LJ wohl bezieht, weitere Gemeinsamkeiten hat, ist fraglich. Zwar sind sie alle irgendwie linksradikal oder -extremistisch, letztendlich haben sie aber zu den USA, Kapitalismus und Israel oft unterschiedliche Ansichten. Natürlich gibt es in diesem Lagern noch weitere Ungereimtheiten, denn man findet nichts dabei, "no nation no borders no war" zu skandieren, gleichzeitig aber Israelfahnen zu tragen und die Forderung aufzustellen, Polen müsse an Frankreich grenzen Lady Basildon: Ah! I hate being educated! Mrs. Marchmont: So do I. It puts one almost on a level with the commercial classes, doesn't it? -- ![]() |
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Na bitte.
Kennst Du mithin einen Antideutschen, der in einer seriösen Tageszeitung schreiben darf? Das war ja mein Aufhänger: daß es meines Wissens nur einen einzigen, Anti-Antideutschen gibt, der das darf, nämlich LJ. Daß es sich hier um Berliner Szenen-Mist handelt, der irgendwelchen Deppen und Krampf-Zwergen unverständlicherweise den Angstschweiß auf die Stirnen treibt. |
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Kennst Du mithin einen Antideutschen, der in einer seriösen Tageszeitung schreiben darf? Och, da gibt`s schon einige. Eigentlich ist das Antideutschtum ein Kontinuum, das von den Überresten des post-autonomen Spektrums bis in die Randbezirke der SPD und der Linkspartei reicht. Aber auch in den Organen des liberalen Bellizismus (WELT, Achgut) ist der Einfluß des Antideutschtums spürbar: Die Berliner Tageszeitung Jungle World hat nicht umsonst den Spitznamen Kinder-WELT. Aber ich bleibe dabei: Es handelt sich um die jüngste Renegatenbewegung der extremen Linken, nur eben um eine, die ihre Apostasie als das non plus ultra linker Radikalität ausschreit. Natürlich bietet die linke Geistesgeschichte diverse Anknüpfungspunkte für eine solche Wendung.
Zitat:
(...)auf die sogenannten "Antideutschen" stürzen. Na, wenn sie das ja wenigstens täten...aber sie begnügen sich damit, die bloße Existenz des Phänomens zu bejammern. Davon abgesehen, halte ich Jägers Behauptung, die PKK habe hierzulande Anhänger im antideutschen Spektrum, für mindestens fragwürdig: Die PKK kämpft für einen kurdischen Nationalstaat, das Schicksal der Kurden ist dem der Palästinenser nicht gar so unähnlich, und ihr Gegner ist der türkische Staat, der ja bis gestern als pro-westlich, laizistisch und als enger Verbündeter des Staates Israel galt. Don`t pee on my leg and tell me it`s raining Von Coriolan am Di, 9.3.2010, 4:22, bearbeitet, (1x) |
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Anders als man es von wing nut-Bewegungen dieser Art gewohnt ist, sind die Vordenker des Antideutschtums beträchtlich weniger behämmert als ihr Fußvolk.
Den folgenden Aufsatz finde ich z.B. lesbar und interessant: Zum orientalischen Agrarkommunismus und seinen Verteidigern Don`t pee on my leg and tell me it`s raining |
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Die Art und Weise, in der das Antideutschtum während der letzten Jahre große Teile der radikal linken Subkultur kolonisiert hat (darunter solche, die ihm, wie die Rote Flora in Hamburg, bis vor einigen Jahren noch spinnefeind waren), hat Ähnlichkeit mit der feindlichen Übernahme des US-amerikanischen Bewegungskonservativismus durch die Neocons in den 80er Jahren.
Don`t pee on my leg and tell me it`s raining Von Coriolan am So, 4.4.2010, 18:34, bearbeitet, (1x) |
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Ein hochkarätiger Repräsentant der Strömung, die diesem thread ihren Namen leiht, ist der Österreicher
Gerhard Scheit - orthodoxer Adornit und Antideutscher der großdeutschen Varianz, wenn ich so sagen darf. Scheit gibt bei Klett-Cotta, wo auch das Zentralorgan der deutschen zapadniks, der Merkur, erscheint, die Gesammelten Schriften von Jean Améry heraus. -/ Don`t pee on my leg and tell me it`s raining Von Coriolan am Sa, 10.7.2010, 15:19, bearbeitet, (1x) |
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Verschoben: Mo, 5.4.2010, 11:03 Uhr von Harki Von Feuilleton nach Politik |
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Samy Yilderim: Wie konkret die Kurve kriegte - in die falsche Richtung
Wildcat-Zirkular (anarchistisch): The American Way of Antifa. Anmerkungen zu Krieg, Faschismus und Demokratie Don`t pee on my leg and tell me it`s raining |
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http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/ ... 020&cHash=e498ceab62#
Zitat:
Die Antideutschen - oft als nicht vermittelbare "Sekte" oder "Narrentruppe" verschrien - mögen vielleicht im linksradikalen Milieu an Einfluss verloren haben, passé ist ihre Weltsicht deswegen noch lange nicht. Spätestens jetzt zur Fußball-WM wird die antideutsche Option wieder hinreichend Resonanz finden: Hinter der schwarz-rot-goldenen Bildsprache lauere mindestens Nationalismus, wenn nicht Faschismus, auch ein fröhlicher, fußballspezifischer Gebrauch der Nationalfarben könne die deutsche Kontinuität nicht unterbrechen. So in etwa lässt sich der einschlägige Generalverdacht zusammenfassen.
Tatsächlich reizt der Fußball-Nationalismus viele halbpolitischen Mitmenschen stärker zu antideutschen Reflexen als etwa Geschichtsrevisionismus aus CDU-Mündern, neonationalistische Bild-Hetze gegen Griechenland oder antiimperialistische Israelkritik aus der Linkspartei. Möglicherweise hat diese besondere Aversion mit der im Zusammenhang des sogenannten Party-Patriotismus oft erklingenden Ekelvokabel "unverkrampft" zu tun. |
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Das Schlimme ist halt aus meiner Sicht die dauernde Betonung, dass eben dieser Patriotismus "unverkrampft" ist. Das nervt mich. Ist in der Tat ein "Ekelvokabel".
Ansonsten finde ich es (aus ganz unterschiedlichen Gründen) wie schon gesagt, eigentlich ganz hübsch, wenn Fahnen zu sehen sind. |
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Möglicherweise hat diese besondere Aversion mit der im Zusammenhang des sogenannten Party-Patriotismus oft erklingenden Ekelvokabel "unverkrampft" zu tun. Das Unverkrampfte, Unernste, die mangelnde Unbedingtheit, dieses "Die Feste feiern, wie sie fallen" ist gerade das Undeutsche daran, das Epigonenhafte, neu- und postdeutsches Italienertum. Pressezitat von 1990: "Jürgen Klinsmann sieht in der Mentalität keinen Unterschied mehr zwischen Italienern und Deutschen" Ähnlich hat es, ohne Bezug zum Fußball, Jahre später Henryk Broder gesehen. Was damals eine Unterstellung war (oder Wunschdenken von Seiten des Wahl-Italieners Klinsmann) - heute ist es Realität. Don`t pee on my leg and tell me it`s raining |
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Coriolan hat geschrieben:
Das Unverkrampfte, Unernste, die mangelnde Unbedingtheit, dieses "Die Feste feiern, wie sie fallen" ist gerade das Undeutsche daran, das Epigonenhafte, neu- und postdeutsches Italienertum. Nach meinem zeitweisen Ausflug auf das Trutzburg-Forum reagiere ich auhf die Vokabel "undeutsch" etwas allergisch. Ich glaube, da spielt immer ein Fantasie-Bild von "deutsch" eine große Rolle. Dass der "neue Patriotismus" eher Party-Patriotismus ist (macht halt Spaß) ist ja auch nicht grad neu. Auch im Individualismus braucht man Anlässe zum feiern . |
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Komisch - in den goldenen Zeit der N11 hat`s dergleichen nicht gegeben.
(Ich hab das WM-Finale von 1974 als 6jähriger Knirps am Teutonengrill von Cattolica erlebt ) Don`t pee on my leg and tell me it`s raining |
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Zitat:
Nach meinem zeitweisen Ausflug auf das Trutzburg-Forum reagiere ich auhf die Vokabel "undeutsch" etwas allergisch. Ist ja wohl klar, wie`s bei mir gemeint ist, oder ?
Deutsch und undeutsch stehen in einem dialektischen Verhältnis wechselseitiger Durchdringung und sind nicht nur mit bloßem Auge kaum zu unterscheiden, sondern in der Tat oft zwei verschiedene Worte für ein- und dieselbe Sache. Vielleicht hab` ich ein Organ dafür, weil die Hälfte meiner Vorfahren jahrhundertelang in den südungarischen Donauniederungen Schweine, Rinder und Schafe gehütet sowie Wein angebaut hat.
Das Ausland ist allenfalls nicht-deutsch. Undeutsch, oder auf undeutsche Weise deutsch sein wollen("Normalisierung", Patriotismus), kann in der Tat nur, wer Deutscher ist. Don`t pee on my leg and tell me it`s raining Von Coriolan am Do, 1.7.2010, 2:39, bearbeitet, (2x) |
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